13. Türchen: Beute


Heute erfülle ich den Wunsch nach eine Piratengeschichte (diesmal in etwas klassischerer Form), und noch einen zweiten, aber welchen, verrate ich noch nicht.

Viel Spaß!

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Beute

Der Soldat warf seinen Degen über die Reling, hob beide Arme und fiel vor Paulo auf die Knie.

„Gnade! Gnade!“

Paulo stieß ihm seinen Parierdolch ins linke Auge. Die Klinge schien sich für einen Moment in irgendetwas  verkantet zu haben, denn er brauchte einen zweiten Versuch und seinen Fuß, um sie wieder herauszuziehen, und der Soldat kippte seitlich auf die Planken des Decks der Santa Patricia.

„War das der letzte?“ rief Paulo.

„Der letzte!“ bestätigten ihm nach und nach die anderen.

Paulo schlenderte über das Deck, schob mit seinem Bastardschwert hier und da Tampen und Planen zur Seite, um sicher zu gehen, dass sich nirgendswo mehr ein Soldat oder widerstandsbereites Besatzungsmitglied versteckt hielt, und inspizierte schließlich zufrieden den Pulk ängstlich zusammengekauerter Zivilisten, die seine Kameraden vor dem Achterdeck zusammengetrieben hatten.

„Alles sauber!“ verkündete Kebo, als er gemeinsam mit Wanja und Pilar aus dem Laderaum geklettert kam.

Paulo nickte zufrieden, wandte sich zu der Esperanza Negra um, formte seine Hände zu einem Trichter und brüllte: „Die Prise ist unser!“

Die Männer (und wenigen Frauen) um ihn herum begannen laut zu jubeln, und der Erste Maat Jasur winkte ihnen huldvoll lächelnd zu, während er über die zwischen den Schiffen gespannten Taue balancierte, als hätte er mit der erfolgreichen Enterung irgendetwas zu tun gehabt.

Und dafür bekommt der schwarze Bastard einen dreimal so hohen Anteil wie ich, dachte Paulo, wandte sich kurz von Jasur ab und spie auf das Deck der Santa Patricia.

„Die sind nicht viel wert“, grollte Jasurs tiefe Stimme, kaum dass er die Gefangenen gesehen hatte. „Zeigt mir die Ladung.“

„Aye.“

Paulo wies Kebo mit einer kurzen Geste in Richtung der Luke zum Frachtraum, und der behende Nubier verschwand die Leiter hinab. Etwas bedächtiger folgten Paulo und schließlich Jasur.

Es fiel genug Licht durch die Luke, dass sie die Ladung ohne Laterne begutachten konnten.

„Ist nicht viel besonders“, erläuterte Kebo in gebrochenem Spanisch, „aber ist eins viel besonders.“

„Eins viel besonders?“ fragte Paulo.

„Ich zeige. Aber erst sehen, hier, Tuche.“

Jasur hielt plötzlich seinen Dolch in der Hand und schnitt ein Stück aus dem Pack heraus. Er rieb es zwischen Daumen und Zeigefinger, hielt es sich vor die Augen ins Sonnenlicht und schnüffelte daran.

„Billige Nachahmung.“

„Und hier, Gewürze!“

Jasur schnaubte ein Lachen. „Salz!“ knurrte er. „Und nicht mal ein halbes Fuder.“

„Kohle ist auch geladen.“

„Was hatten sie denn damit vor?“ murmelte Paulo.

„Aber wahre Rätsel verbirgt sich hier hinten. Folge.“

Kebo führte sie etwas tiefer in den Laderaum hinein, bis zu einem …

„Was ist das?“ stieß Paulo hervor.

„Ist das Eisen?“ fragte Jasur.

Paulo war sich sicher, dass er noch nie so viel mühsam beherrschtes Staunen in der Stimme des Ersten Maats gehört hatte.

„Eisen!“ versicherte Kedo.

„Das Ding muss … über 1000 Libra wiegen“, überlegte Jasur.

„Es ist aber innen hohl, oder?“ fragte Paulo, und erkannte kurz danach, wie dumm die Frage war.

Aber Kedo grinste ihn nur breit an.

„Ist das beste!“ sagte er, und hob mit großer Geste eine Faust zu dem riesigen, über und über mit fremden Schriftzeichen versehenen Metallquader ohne erkennbare Öffnungen oder Nähte.

Und klopfte. Dreimal gongte der Quader dumpf.

„Hohl“, sagte Paulo. „Dann ist es vielleicht gar nicht so viel Metall, aber wenn wir einen reichen Sam …“

Paulo verstummte und sprang erschrocken einen Satz zurück. Sogar Jasur hob überrascht seinen Kopf und starrte auf die sonderbare Fracht.

Und Kedo grinste breit und voller Stolz, während irgendetwas in dem Metallquader sein Klopfen erwiderte.

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5 Kommentare zu “13. Türchen: Beute

  1. Jetzt hast du sogar mich neugierig gemacht….. Wie kann etwas Lebendiges in einen Eisenquader ohne Öffnung und Nähte gelangen?

    Die Klinge schien sich für einen Moment in irgendetwas verkantet zu haben, denn er brauchte einen zweiten Versuch und seinen Fuß, um sie wieder herauszuziehen,

    ……also diese Beschreibung habe ich mir leider bildlich vorgestellt…..uahhh.

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