Yanis 2 (3)


Falls ihr euch gefragt haben solltet (Ich tu immer noch so, als würden hier Leute mitlesen, das kommt professioneller, falls doch mal versehentlich jemensch reinschaut, denkt euch nichts dabei und lasst den Schmu bitte nicht auffliegen.), ich weiß auch nicht, wie lange ich den aktuellen Takt aufrecht erhalten kann. Nicht lange, glaub ich. Aber jetzt gerade gehts noch, weil ich viel vorgearbeitet habe. Von oben geht auch echt sehr schnell, so schnell hab ich noch nie 1 Geschichte geschrieben. Yanis 2 läuft schon eher in mormalem Tempo, da wirds also definitiv zuerst knapp.

Mal gucken. Für heute jedenfalls viel Spaß mit dem neuen Kapitel!

Urvi hatte Narubolan und Aki zwar in einem unterirdischen Raum ohne Fenster untergebracht, damit sie die Position sierer Basis nicht ausspähen konnten, war ihnen gegenüber ansonsten aber durchaus nicht knauserig gewesen.

Ein Kaminfeuer heizte das Zimmer und hielt die Kellerfeuchte in Schach. Auf einem Tischchen stand eine Kristallkaraffe mit Wasser, eine silberne Kanne Tee auf einem Samowar und sogar eine Flasche Wein, und zu allem standen auch jeweils passende Gläser und Tassen bereit. Frisches Obst lag in einer Schale daneben, an der Wand gegenüber stand ein Regal mit einigen Büchern, und davor drei bequeme Sessel.

Derzeit standen die beiden einander allerdings gegenüber, in einem Beinahe-Aber-Nicht-Ganz-Streitgespräch, und hatten keine Aufmerksamkeit für die kleinen Aufmerksamkeiten.

„Laia ist meine Freundin“, sagte Aki. „Ganz im Ernst, ich will sowas von dir nicht mehr hören. Wenn du sie nicht respektieren kannst, dann respektierst du mich nicht, und dann sind wir geschiedene Leute. Ohne sie wärst du immer noch Geisel der Gräfin!“

Narubolan verschränkte die muskulösen Arme vor der Brust.

„Ganz abgesehen davon, dass ich mir offen gesagt Schlimmeres vorstellen könnte und nicht mal sicher bin, ob meine jetzige reale Situation nicht vielleicht sogar in diese Kategorie fällt, geht es hier doch gar nicht darum, ob sie mit dir befreundet ist oder ob ich sie respektiere. Ich sag dir nur, dass da ein Problem ist, weil sie …“

„Ja?“

Aki breitete auffordernd die Hände aus.

„Weil sie einfach aus einer mit unserer völlig inkompatiblen Lebenssituation kommt! Ich meine das gar nicht so …“

„Ich glaube, du meinst es genau so!“

Narubolan blies frustriert Luft aus.

„Ich sag doch nur, wenn du irgendwo einen silbernen Löffel liegen lässt, wäre es nachgerade verantwortungslos und töricht von ihr, ihn nicht zu stehlen!“

„Laia ist keine … Naja“, unterbrach Aki sich mit einer wegwerfenden Geste. „Also, was ich meine ist, sie ist meine Freundin, und sie würde mich natürlich nicht bestehlen, und sie weiß, wenn sie Hilfe braucht, dass sie mich einfach fragen kann. Weil wir Freund*innen sind. Und das ist der Punkt, an dem du –“

„Aki, du verstehst es einfach nicht, weil du ihr Leben eigentlich nicht verstehst. Für dich ist es ein Löffel. Vielleicht einer, an dem ein bisschen Sentimentalität hängt, wenn es zufällig einer ist, mit dem du mal mit sieben eine niedliche Katze gefüttert hast. Aber –“

„Warum reden wir die ganze Zeit von Löffeln?“

„Der Löffel ist nur ein Beispiel!“, rief Narubolan. „Und es geht mir darum, dass es für sie unter Umständen Essen für eine Woche ist. Oder für zwei. Und der Unterschied zwischen Essen und Hungern.“

„Und deswegen sage ich, dass sie weiß, dass sie mich fragen kann! Sie muss den Löffel nicht stehlen, weil sie immer etwas zu Essen hat, solange sie mit mir befreundet ist.“

„Und du glaubst nicht, dass sie dafür manchmal zu stolz ist? Dass sie keine Lust hat zu betteln? Ihr streitet euch nie? Ihr habt nie Zeiten, in denen ihr euch gerade nicht so perfekt versteht und es für sie vielleicht unangenehm wäre, dir gegenüber eine Schwäche einzugestehen?“

„Das ist …“

„Ja! Antworte jetzt erst mal nicht. Denk einfach nur drüber nach. Und frag dich vielleicht, sogar wenn sie dir nie irgendwas klaut, wie ihre Entscheidung wohl ausfällt, wenn ihr mal jemand Geld bietet, damit sie irgendwas verrät, was du lieber geheimhalten willst. Oder irgendwas zu tun, was du gerne vermeiden möchtest. Wie viel anders die Bedeutung eines bestimmten Betrages für sie ist als für dich. Ich sag eben gerade nicht irgendwas Schlechtes über ihren Charakter, Aki, im Gegenteil, aber ich sage dir was über ihre Situation. Und deine. Über eure relat-“

„Naru-“

„Nein lass mich jetzt ausr-“

„Na-“

„Ihr könnt nun mal keine Freund*innen sein, nicht richtig, weil das immer zwischen euch stehen wird!“, stieß Narubolan hervor. Und atmete laut, als hätte er sieben Stockwerke erklommen „So. Jetzt. Was?“ Er blinzelte und drehte sich um, in die Richtung, in die Aki schon seit einer Weile schaute. „Oh. Ohje. Äh. Wie … Wie lange … stehst du da schon?“

„Lange genug, um eine Vorstellung davon zu haben, was du von mir hältst“, antwortete Laia.

„Dann hast du aber nicht richtig zugehört, weil darum ging es doch gerade ni-“

„Halt endlich den Mund“, sagte Aki, und Laia war vielleicht noch nie so stolz auf sien gewesen, auch wenn sier sich das alles so lange angehört hatte. „Laia ist meine Freundin, und ich sags jetzt nur noch einmal: Sie würde sowas nicht tun, und du kannst sie respektieren, oder du gehst alleine nach Hause, oder wohin immer du halt willst.“

„Ich … Ja schon gut“, gab Narubolan auf. „Ich seh es ein. Vergesst es einfach. Ich wollte wirklich keinen Streit. Ich dachte nur. Ich nehm alles zurück, es tut mir leid.“

„Fein. Dann lass uns aufbrechen.“

„Und nie mehr davon reden. Gerne.“

Natürlich hätte Laia den Stolz auf Aki und das gute Gefühl, dass er ihr vertraute, sehr viel entspannter genießen können, wenn ihr nicht gleichzeitig das Gewicht der 50 goldenen Taler in ihrem Rucksack sehr bewusst gewesen wäre.

Wirklich sehr.

Sie waren auch wirklich schwerer, als sie sich vorgestellt hatte. Und sie verbrauchten wesentlich mehr Platz als sie müssten, weil Laia sie ausgepolstert hatte, damit sie nicht klimperten, wenn sie sich bewegte.

Aber das war vielleicht nicht der einzige Grund.

*********************************

„Du hast die richtige Entscheidung getroffen.“

„Ja, klar.“

Irgendetwas an Urvi war sehr lustig. Das war ihr vorher gar nicht aufgefallen. War es die groteske Größe? Die komisch tiefe Stimme? Die ungewohnte Proportionen? Lustiges Wort auch, Proportionen … Die absurd riesigen Hörner? Oder waren es einfach nur die zwei Pastillen, die Yanis genommen hatte? Oder drei? Sie war sich nicht mehr ganz sicher, ob sie über die dritte nur nachgedacht hatte, oder sie dann auch tatsächlich geschluckt. Ihr war ziemlich schwindlig, und sie wusste nicht … Sie … Sie wusste nicht mehr genau, wie der Gedanke angefangen hatte, deshalb hörte sie erst einmal auf, ihn weiterdenken zu wollen.

„Wir haben wirklich etwas Gutes vor“, sagte Urvi, „Und deine Hilfe dabei ist für uns unschätzbar wertvoll. Ich weiß, dass dir so etwas nicht viel bedeutet, aber ich verspreche dir, dass ich dir das nie vergesse, und ich dich großzügig entlohnen werde.“

Yanis kicherte leise, weil sier  so ernst und getragen sprach und das offenbar alles sehr bedeutend fand, aber sie wusste schon gar nicht mehr, worum es ging und konnte sich mit Mühe an das letzte Wort erinnern.

‚Werde‘?

War es ‚werde‘ gewesen?

Was für ein komisches Wort, oder?

„Werde …“ murmelte sie. „Wwwwwerde…“

Urvi stockte.

„Was ist denn mit dir?“, fragte sier.

„Wieso …?“

Yanis war nicht sicher, was sie antworten wollte. Und sie glaubte, dass sie gerade irgendwie versuchte, darüber nachzudenken, was … Es ging nur sehr langsam. Auch, weil sie schon wieder gar nicht mehr wusste, worüber sie eigentlich nachdenken wollte.

Irgendwas mit Urvi.

Die Hörner sahen schon irgendwie auch gut aus. Sehr groß. Aber das war auch beeindruckend auf eine Art.

„Schöne Hörner“, nuschelte sie.

„Danke“, murmelte Urvi zurück. „Das ist nett, aber … Bist du betrunken?“

Sier sah sich suchend im Raum um, fand aber wohl nicht, was sier suchte.

Leere Flaschen?

Moment.

Warum?

Woher kamen denn jetzt plötzlich leere Flaschen? Also, nicht. Da waren ja keine. Aber warum war das erwähnenswert? Wie kam sie denn jetzt darauf? Und worauf überhaupt?

Sie lachte leise.

War ja zum Glück egal. Komisch, was man so dachte.

„Wieso denn Flaschen?“, murmelte sie.

Urvis Augen verengten sich, und sier schnaubte. Yanis war sich nicht ganz sicher, aber es fühlte sich an, als würde dabei sogar ein bisschen Speicheln in ihr Gesicht sprühen. Sie lachte leise und leckte die Lippen.

„Oder hat dich jemand … Nein, das glaub ich nicht. Du hast selbst irgendwas genommen, oder? Was war es? Ist es gefährlich?“

Yanis zuckte die Schultern und schüttelte den Kopf.

„Glaub ist schon gut“, sagte sie.

Sie hörte sich selbst reden, es war ganz merkwürdig. So langsam. Soooo langsam. Sie sprach fast noch langsamer, als sie dachte. Ergab das Sinn?

Was noch mal?

Jemand packte sie an den Schultern. Nicht mal besonders fest, aber überraschend. Warum sah sie es denn nicht? Hatte sie die Augen zugemacht? Warum? Wann? Es fühlte sich komisch an. Riesige Hände. Urvi? Urvi!

„Urvi?“

Sier schüttelte Yanis. Nicht hart. Nur ein bisschen.

„Lassdas“, brummte sie.

„Ich lass dich in Ruhe“, erwiderte Urvi. „Nichts lieber als das. Du kannst dich ausschlafen, und morgen gehts weiter. Dann sehen wir, wie wir zusammen arbeiten. Ich freu mich schon darauf. Aber erst einmal musst du dich ganz kurz ein bisschen zusammenreißen, in Ordnung?“

„Warum?“

Laia.

Irgendwas war mit Laia gewesen, oder?

Sie wollte nicht drüber nachdenken. Besser nicht.

„Weil ich mir Sorgen mache“, sagte Urvi. „Und wenn du mir einmal kurz so konzentriert in die Augen guckst, wie du kannst, und mir sagst, dass alles in Ordnung ist und du nicht irgendwas Gefährliches genommen hast, dann lasse ich dich in Ruhe, und wir können über alles andere morgen sprechen. In Ordnung? Kannst du das?“

Yanis blinzelte. So ging das mit den Augen, oder? Ja. Da war Urvi.

Wo?

Oh, ihr war wirklich ziemlich schwindlig, und ein bisschen schlecht.

Zwei Pastillen waren vielleicht zu viel. Oder drei. Zwei oder drei. Was zwei oder drei? Wieso …?

„Kannst du das?“

„Was kann ich?“

Urvi schnaubte, und jetzt fühlte sie aber ganz sicher kleine kühle Tröpfchen im Gesicht. War gar nicht so unangenehm.

„Mir sagen, was du genommen hast!“

„Ach …“ Sie nickte langsam. Es war lustig, wie die Welt sich anders bewegte als sie selbst. „Nix Schlimmes“, nuschelte sie. „Ist schon gut. Ich brauch das wegen meines …“ Sie machte eine Geste, die vager und allumfassender ausfiel, als sie sie sich vorgestellt hatte. „Aber das is nich gefährlich. Lassmich.“

Urvi sah ihr in die Augen – sier hatte komische Augen, so goldbraun, und mit komischen Pupillen, so … eckig? Nee, das war nicht, was sie meinte. Wie hieß denn das?

Mit einem letzten feucht sprühenden Schnauben – irgendwie war das gut, ihr Gesicht fühlte sich so warm an und die Tröpfchen waren kühl – wandte Urvi sich kopfschüttelnd ab.

„Ich schick jemanden, um ab und zu nach dir zu sehen. Wenn du was brauchst, ruf bitte. Du warst teuer genug. Wenn ich dich jetzt verliere, nur weil du an deinem eigenen Mageninhalt erstickst, reiß ich mir einen Huf ab.“

Urvi schlug die Tür hinter sich zu und Yanis starrte noch lange dumpf grinsend auf das Türblatt und dachte darüber nach, was sie da gerade über Hufe und Mägen gesagt hatte, und wie das alles zusammenhing.

*********************************

„Ich find das ja schon sehr albern, das mit diesen Hauben“, murrte Aki.

“Früher haben wir den Leuten die Augen ausgestochen, das hat ihnen auch nicht gefallen. Man kanns nie allen Recht machen.“

„Das ist ein Scherz, oder?“, fragte Narubolan.

„Klar. Wäre doch eine Riesenschweinerei. Wir haben alle umgebracht, denen wir nicht vertraut haben. Bis Urvi irgendwann auf die Idee mit den Hauben kam, und das hat uns so viel Arbeit gespart. Du glaubst gar nicht, was das für eine Scheiß-Anstrengung ist, ein Grab zu schaufeln. Gerade im Winter, wenn der Boden … Was?“

„Du kannst jetzt aufhören. Wir sind da.“

„Schade.“

„Schön“, murrte Aki.

Jemand zog ihnen die Hauben vom Kopf, und sie durften aus der großen schwarzen Postkutsche aussteigen.

„Als ob es nicht gereicht hätte, einfach die Fenster zu verhängen. Dann hätten wir genau so wenig mitbekommen.“

Aki hatte es wirklich nicht gemocht, die Haube tragen zu müssen. Vielleicht weil es sien an siere Gefangenschaft bei der Gräfin erinnerte, mit dem vielen Eisen und dem geschlossenen Helm unten im Verlies.

Andererseits fühlte sich natürlich niemand wohl dabei, mit verbundenen Augen wehrlos von einer Bande bewaffneter Gewalttäter*innen, die sich sorgten, dass man ihre Geheimnisse verraten könnte, irgendwohin gefahren zu werden. Laia hatte es auch nicht besonders gefallen.

„Ja danke“, erwiderte Holnu. „Wir nehmen deine Vorschläge gerne an und geben sie an Urvi weiter. Sier freut sich immer, wenn es war zu verbessern gibt.“

Di*er Kutscher*in lachte auf, schnalzte mit den Zügeln, und Urvis Kutsche setzte sich in Bewegung.

Narubolan, Laia und Aki sahen sich um.

„Sie hätten uns auch einfach direkt zu unserem Gasthaus bringen können“, sagte Aki. „Ist ja nicht so, als wäre das der geheime Ort, oder als hätte das irgendwelche Rückschlüsse zugelassen, wo ihr Versteck ist. Im Gegenteil. Jetzt können wir eher vermuten, dass ihr Versteck sich irgendwo in dieser Richtung befindet, von unserem Gasthaus aus.“

„Mhm…“

Laia hörte siem einigermaßen zu, aber sie war nicht richtig bei der Sache. Das verflixte Gold hing zu schwer auf ihren Schultern.

50 goldene Taler. So viel Geld hatte sie noch nie auf einmal gesehen, geschweige denn selbst bei sich getragen, geschweige denn ihr Eigen genannt.

Sie wusste gar nicht, was ihr mehr Angst machte: die Vorstellung, dass sie sie verlieren würde, die Vorstellung, dass jemand sie ihr stehlen würde, die Vorstellung, dass Aki irgendwie herausbekommen würde, dass sie sie hatte, oder dass sie dann in ein paar Tagen das Geld immer noch haben würde, und dann entscheiden musste, was sie damit anstellte.

Ihr Vater würde davon das Haus kaufen können, in dem er jetzt lebte, oder? Laia hatte keine Ahnung, wie viel ein Haus kostete.

Sie hatte nie darüber nachgedacht. Es hatte nie eine Rolle gespielt, weil sie keine Häuser stehlen konnte.

Und so schlurfte Laia einfach nur in sich versunken hinter Aki und Narubolan her, während sie ihren Weg durch Kelthoven zum Gasthaus suchten, und hätte beinahe sogar die beiden Wachleute übersehen, die überhaupt nicht subtil am Eingang standen, gehüllt in was sie und ihre Vorgesetzten vielleicht für zivile Kleidung hielten.

„Aki“, zischte sie.

Aki blieb stehen, schaute zu Laia, schaute verwirrt in die Richtung, in die sie auch guckte, schaute zu ihr zurück.

„Meinst du …?“, fragte sier unsicher.

„Natürlich!“, antwortete Laia. „Hast du gedacht sie akzeptiert einfach, dass sie verloren hat?“

„Wenn du es so formulierst.“

Narubolan war inzwischen auch stehengeblieben und hob fragend die Arme.

Aki sah sich noch einmal kurz verstohlen um, dann murmelte sier

Aesh Na’kab dni pesrolba.“

Akis Augen und Mund bekamen dieses sehr gruselig Glühen, während sier sprach, und als sie erloschen, sahen sie im Vergleich merkwürdig trübe und düster aus.

Laia blinzelte ihre*n Freund*in an.

Narubolan schwankte ein bisschen und hielt sich die Stirn.

„Was…“, murmelte er.

„Sie werden uns jetzt nicht bemerken“, antwortete Aki. „Immerhin wirken sie auch nicht, als hätte die Gräfin die Elite ausgesandt, um hier auf uns zu lauern. Wartet im Stall auf mich, während ich meine Sachen hole.“

Laia stand nervös und peinlich schweigend bei den Pferden neben Narubolan, den sie unglücklicherweise noch sehr gut sehen konnte, während Aki siere Sachen packte, und saß sodann ungeduldig und schweigsam Aki und Narubolan gegenüber, während sie in der Kutsche durch die Landschaft in Richtung des Sitzes von Akis Vätern polterten.

Nicht mal die Erleichterung, aus Kelthoven entkommen zu sein, konnte sie so richtig aufheitern.

Es fühlte sich auch nicht an, als wären sie jetzt außer Gefahr.

Nicht dass die beiden anderen viel gesprächiger gewesen wären.

Narubolan versuchte abwechselnd, Laias Blick auszuweichen und besonders gut gelaunt in die Welt und zu Aki zu gucken, und besonders entschlossen Laia anzulächeln, um so deutlich wie irgend möglich zu machen, dass er nichts böse gemeint hatte und immer noch ihr Freund war. Oder so.

Aki unternahm schließlich einen tapferen Versuch, die Stille zu überwinden.

Leider hatte Laia nicht zugehört. Sie wollte es nicht gerne zugeben, weil sie den ganzen Tag schon abgelenkt war und ungerne wollte, dass es noch mehr auffiel, gar nicht in erster Linie, weil sie Angst hatte, dass Aki das Gold herausfand – sie war eine gute und geübte Lügnerin – sondern viel mehr, weil sie sien nicht anlügen wollte, solange es sich irgendwie vermeiden ließ.

„Äh, ja …? Kann sein …?“, antwortete sie deshalb, und wusste eigentlich sofort, dass sie einfach hätte fragen sollen.

„Aber ein richtiges Bett fänd ich schon angenehmer“, sagte Narubolan.

In Ordnung. Das gab eine gewisse Richtung vor, grenzte das Gesprächsthema aber noch nicht genug ein, dass sie jetzt etwas Sinnvolles erwidern konnte.

Aki machte eine nachdenkliche, nicht unbedingt zustimmende Nickbewegung mit dem Kopf. „Ich weiß nicht, ob wir es dem*r Kutscher*in antun sollten. Und den Pferden.“

So allmählich wurde es doch klarer. Aber sie entschied sich, noch kurz zu warten.

„Was heißt denn ‚antun‘?“, fragte Narubolan, eher aufrichtig verwirrt als streitlustig. „Das ist doch si*ere Arbeit, oder nicht?“

„Wir müssen sie trotzdem nicht unnötig unangenehm machen!“

„Und dafür im Wald auf dem Boden schlafen?? Ich zweifle ja schon sehr, ob dein*e Kutscher*in dir das danken wird.“

Jetzt war es eigentlich klar, aber Laia wusste immer noch nicht so recht, was sie sagen sollte.

Hier auf offener Strecke zu campieren, wäre sicherlich nicht ungefährlich mit all dem Gold.

Aber andererseits war ein Gasthaus am Rande der großen Landstraße noch attraktiver für Dieb*innen, und seine Türschlösser auch kein ernsthaftes Hindernis.

Aber Laia hatte auch keine Lust auf Schlafen auf dem Waldboden, und allein deshalb …

‚Oh verdammt oh Xinu oh nein oh bitte bitte nicht!‘

Narubolan packte erschrocken den Griff der Tür und Aki drehte sieren Kopf beeindruckend weit herum in Richtung des*r Kutscher*in, als sie die dumpen, splitternden Schläge hörten.

„Sind das …?“, fragte Narubolan, schrie dann erschrocken auf und musste sich unbeholfen an Akis Knien abstützen, als di*er Kutscher*in die Bremse zog und die Kutsche sehr ruckelig zum Stehen kam.

„Aki, bitte, du musst was machen, kannst du die Kutsche unsichtbar …?“

Laia wusste selbst nicht genau, wie sie sich das jetzt vorstellte, aber sie war einfach nicht bereit, zu akzeptieren, dass passierte, was gerade passierte.

Aki schüttelte mit einer Mischung aus Resignation, Sorge und Empörung im Gesicht den Kopf.

„Ich bin so erschöpft, ich könnte vielleicht noch eine kleine Illumination kreieren, aber dann würde ich wahrscheinlich in Ohnmacht fallen.“

„Naja, aber kannst du nicht vielleicht-“

Alle drei zuckten zusammen, als jemand sehr kraftvoll gegen die Tür der Kutsche hämmerte.

„Aufmachen!“, brüllte jemand von draußen. „Und wehe, ich sehe irgendwelche Waffen, wir haben drei Armbrüste auf euch gerichtet!“

‚Vielleicht ist es ja nur eine übereifrige Straßenkontrolle, und wenn sie merken, wer Aki ist, dann…“

„Gebt uns Euer Geld, Euren Schmuck und Euren Kram, dann lassen wir euch weiter fahren, und niemandem passiert was!“

‚Natürlich.‘

Etwas in Laias Körper sank sehr tief in ihren Bauch. Etwas sehr Schweres und Kaltes.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s