Generationenschiff (28)


Zumindest komme ich zurzeit ein bisschen besser und angenehmer voran. Ist ja auch was. Und vielleicht interessiert es euch ja sogar. Falls es euch tatsächlich interessiert: Am schlimmsten ist dieser „Was bisher geschah“-Absatz. Der ist durch die WordPress-Systematik und natürlich auch einfach in sich ziemlich nervig zu machen.

Ach so und What Rough Beast geht auch bald weiter. Wir haben sogar einigermaßen kontinuierlich gespielt, wenn auch in etwas reduzierter Anzahl. Ich war nur zu faul zum Posten.

Viel Spaß!

 Was bisher geschah

Im ersten Kapitel begleiteten wir Professor Rodney Advani zu einem Besuch bei Präsidentin Sima, um mit ihr über eine bedrohliche Entdeckung zu reden, lernten Kapitänin Tisha kennen, die ebenfalls gerade eine solche gemacht hat und dafür von Jeanne auf der Brücke eingeschlossen wurde, sahen Banja bei einer nicht sehr glücklichen Prüfung für seine Arbeit als Tinker zu, und wurden Zeuge, wie Jahre später Jole und Kentub darüber beraten, wie sie mit den aktuellen Erkenntnissen über den Planeten umgehen, der das Ziel ihrer Mission sein sollte.

Im zweiten Kapitel hat Piedra zunächst einen Unfall bei einem Außeneinsatz und führt dann ein schwieriges Gespräch mit Psmith, und die Präsidentin entscheidet, die Idee einer KI zur Kontrolle der Mission weiter zu verfolgen.

Im dritten Kapitel debattiert der Besatzung der Humanity über die Vor- und Nachteile einer Landung auf Last Hope versus derer eines Weiterflugs zu einer anderen wirklich allerletzten Hoffnung, Piedra versucht vergeblich, mit Wu über ihren Verdacht gegen Smith zu reden und wendet sich deshalb an Tisha, die gerade gar keine Lust hat, mit so etwas behelligt zu werden, und im Übrigen ist Senator Bowman der Meinung, dass der Planemo vernichtet werden muss.

Im vierten Kapitel wimelt Tisha Piedra ab und sieht mit Jeanne zusammen ein Video von unfassbarer historischer Bedeutung, Nico und Banya fachsimpeln über die Erde und bekommen Besuch von Piedra, und in unserer Zeit versucht Jerry Martinez, die ihn ihre KI gesetzten Erwartungen zu dämpfen.

Im fünften Kapitel folgt Jeanne Kentubs Empfehlung, Tisha will dem Ruf der Natur eigentlich nicht folgen, und Piedra versucht vergeblich, Banya ihren Verdacht gegen Psmith zu erklären.

Im sechsten Kapitel gerät Piedra mit Psmith aneinander, Kentub und Jeanne mit Marchand, und Rodney mit Jerry Martinez.

Im siebten Kapitel verhört Jeanne erst Piedra und dann Tisha, Kentub und Jeanne gehen zu dem Fremden, und Jerry und Rodney diskutieren über die Rettung der Menschheit.

Im achten Kapitel verkündet Jeanne in einer Teambesprechung einige wichtige Neuigkeiten, Kentub versucht, mit dem Fremden zu diskutieren, und Jeanne ernennt ihn zum neuen Kapitän.

Im neunten Kapitel streitet sich Banja zuerst mit Piedra und sagt dann seinem Vater, dass er sie nicht will. Kentub hält das für keine gute Idee.
Später versucht Kentub, die Kampfhandlungen zwischen den verfeideten Fraktionen an Bord der Humanity zu beenden indem er Marchant seine Position nahebringt, während auf Last Hope die Dienerinnen des Ersten Staates von einem neuen Stern erfahren.

Im zehnten Kapitel verbünden Tisha und Piedra sich gegen Psmith, um dann von ihm überrascht zu werden (also, nicht in dem Sinne, das sie sich dafür verbündet haben… Ihr wisst schon. Ja, das ist eine blöde Formulierung. Ich gewöhn sie mir ab.), Rodney besucht die Einrichtung, in der die Kinder für die lange Reise vorbereitet werden, Banja meldet sich freiwillig, und Kentub ringt mit den Konsequenzen seiner Entscheidung.

Im elften Kapitel verabschiedet Banja sich von Nico, Kentub betritt Last Hope, und Rodney lernt Celia kennen.

Im zwölften Kapitel redet Psmith mit Tisha und Piedra, Kentub begegnet Jeanne auf Last Hope, seine Transportgelegenheit verstirbt, und Präsidentin Sima gibt ein Interview.

Im dreizehnten Kapitel sehen wir die Ereignisse zwischen Kentub und Marchant noch einmal aus Marchants Perspektive, Marchant rettet ihn auf Last Hope, und Psmith erklärt weiter seinen diabolischen Plan. Der Schuft.

Im vierzehnten Kapitel berät die Präsidentin über Methoden zur Konservation der Besatzung, Marchant und Kentub reiten auf Jeanne über Last Hope und werden verfolgt, und Psmith wird endlich fertig damit, seinen diabolischen Plan zu erklären. Der Schuft.

Im fünfzehnten Kapitel macht Jeanne der Besatzung eine Ansage, und Kentub und Tisha beraten anschließend mit ihr, wie sie die umsetzen, und in der weiteren Zukunft führen die fremden Kreaturen Jeanne, Kentub und Marchant in die Dunkelheit.

Im sechzehnten Kapitel versucht Jole mit den übrigen Kolonistinnen eine Entscheidung zu treffen, Tisha sägt an Kentubs Stuhl, Marchant ereilt schon wieder sein Schicksal, und Kentub versucht, eine Meuterei zu vermeiden, mit unwillkommenere Hilfe von Jeanne.

Im siebzehnten Kapitel reitet Kentub auf Jeanne zu der toten Riesentermite zurück, die Präsidentin gibt ein Interview, und Banja zweifelt an seinen Entscheidungen.

Im achtzehnten Kapitel beendet Jeanne eine Meuterei, und erst Jole und Nimue und dann Jole, Kentub und Jeanne debattieren über die Zukunft der Kolonie.

Im neunzehnten Kapitel verhandelt Kentub mit Nimue über Ressourcen, diskutiert danach mit Jole und Jeanne die Zukunft der Kolonie, Banja möchte ein Held sein, eine Zeitung berichtet über die Machenschaften der Regierung Sima und Nimue begegnet mit Piri zusammen einem der Termitenwesen.

Im zwanzigsten Kapitel trifft sich die Besatzung im Arboretum, und Banja und Piedra führen ein Gespräch. Präsidentin Sima verschiebt die Wahlen. Und Piri und Nimue erhalten ein Geschenk, und geben eins zurück.

Im 21. Kapitel ersteht Kentub von den Toten auf, oder bleibt eigentlich erst mal liegen, erwacht aber immerhin zum Leben, Banja betritt das Schiff der Fremden und trifft dort 1 alten Bekannten, und Kentub droht, an seinen Kolonist*innen zu verzweifeln, aber dann kommt 1 Raumschiff.

Im 22. Kapitel begegnen Kentub und Banja einander wieder, und Nimue und Psmith führen ein nicht unproblematisches Gespräch.

Im 23. Kapitel erleben wir eine entgleisende Demonstration gegen Präsidentin Simas geheime Projekte.

Im 24. Kapitel reden Kentub und Jole über das Hydrokulurset, Nimue und Psmith über Waffen, Rodney will mit der Präsidentin sprechen, und Jole und Piedra gehen auf eine Reise.

Im 25. Kapitel versucht Nimue vergeblich, schlafen zu gehen, Jole und Piedra versuchen weniger vergeblich, zu Nimues Siedlung zu reisen, und Nimue ist wiederum relativ erfolgreich mit ihrem Versuch, Psmith zu verprügeln, nachdem sie ihm in den Gang gefolgt ist.

Im 26. Kapitel muss Rodney Sima eine schwierige Mitteilung machen, Jole und Piedra erreichen Nimues Siedlung, und Banja plaudert mit dem Fremden.

Im 27. Kapitel bekommt Präsidentin Sima unerwarteten und unwillkommenen Besuch, während Psmith wiederum einen solchen abstattet und angemessen begrüßt wird.

Was heute geschieht

71.26.149
„Und?“, fragte Kentub.
Jole antwortete: „Wir haben die Siedlung gefunden. Nimue ist bereit, uns die Hydroponik zu überlassen, aber wir müssen sie uns selbst holen, und sie will die Hälfte der Erträge, und mit Banja sprechen.“
Kentub seufzte.
„Natürlich will sie die Hälfte der Erträge …“ Er machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ich bin schon froh, dass sie nicht drei Viertel will. Aber was will sie von Banja?“
Jole zuckte die Schultern.
„Hat sie nicht gesagt. Aber würdest du nicht auch mit dem Typen reden wollen, der Jahrzehnte bei der fremden Spezies verbracht hat, die uns technologisch wahrscheinlich Jahrhunder te voraus ist, falls so ein Vergleich überhaupt irgendeinen Sinn hat, und jetzt als ihr Gesandter zurückgekommen ist?“
„Er ist als ihr Gesandter zurückgekommen? Hat er das gesagt?“
Jole hob eine Hand zur Stirn und massierte sich mit Daumen und Mittelfinger die Schläfen.
Kentub grinste.
„Schön, dass du wieder da bist.“
„Ich wünschte, das Gefühl wäre reziprok.“
„Ach komm, ihr habt mich vermisst. Jemanden, der Verantwortung übernimmt! Jemanden, der die Entscheidungen trifft! Der die dummen Witze macht, an die sich sonst niemand herantraut?“
Jole sah ihn einfach nur an und antwortete nicht.
Kentub wartete eine viel zu lange Zeit, ob sie nicht doch noch antworten würde.
Schließlich seufzte er und zuckte die Schultern.
„Was war dein Gefühl?“, fragte er. „Gibts da Verhandlungsspielraum? Wenn wir ihr sagen, sie kann Banja haben – nicht dass ich einfach so über ihn bestimmen könnte, aber wir müssens ja nicht komplizierter machen als nötig –, aber wenn wir ihr sagen, sie kann ihn haben, aber sie kriegt nur … 30% der Erträge, glaubst du, dann können wir uns auf 40 einigen?“
Xier sah ihn wieder nur an, ohne zu antworten, aber diesmal gab xier zuerst auf.
„Habe ich noch nicht mit ihr besprochen. Aber bisher kam sie mir nicht besonders verhandlungsbereit vor.“
Kentub drückte die Lippen zusammen und schob den Unterkiefer ein paar Mal von links nach rechts.
„Ja“, sagte er, „Nee“, sagte er, „Mir auch nicht“, sagte er.
Jole zuckte die Schultern.
„Aber wir könntens trotzdem versuchen“, sagte Kentub. „Wir haben nichts zu verlieren, oder?“
Jole zuckte wieder die Schultern.
„Vielleicht ihre Annahme, dass wir tatsächlich ernst meinen, was wir fordern, und nicht nur zum Spaß mal was versuchen?“
Kentub dachte kurz nach, bevor er den Kopf schüttelte.
„Ja gut, aber wenn wir uns nie trauen, irgendwas zu fordern, weil wir zu besorgt sind, dass sie uns nicht mehr ernst nimmt, wenn wir uns auf einen Kompromiss einlassen, dann gewinnen wir damit auch nichts, dann haben wir das gleiche wie wenn sie alle unsere Forderungen immer ablehnt und wir das einfach akzeptieren.“
Jole wiegte den Kopf von links nach rechts.
„Bestechende Argumentation“, erwiderte xier schließlich.
Kentub nickte.
„Wir versuchen das.“

Zuerst war es nur ein fernes Schimmern, doch es wurde stetig heller, und schnell war wieder die ganze Siedlung versammelt, und murmelnd und staunend sahen alle zu, wie sich aus dem Licht eine Gestalt herausschälte, eine leuchtende menschliche Gestalt, strahlend und makellos rein wie ein Engel aus der irdischen Mythologie. Seine Füße berührten nicht den Boden, über den er wandelte, seine Haut schimmerte in goldenen Licht, seine Augen waren wie Sonnen an einem gleißenden Wüstenhimmel, und als er näher kam, mussten alle Angehörigen der Siedlung ihre Augen abwenden, um nicht von seinem Leuchten geblendet zu werden.
„Bist du sicher, dass der Auftritt so melodramatisch genug ist, oder kommen noch Posaunen und Streicher?“, fragte Nimue.
„Ha“, machte Banja. „Kentub meinte, es wäre besser so.“
„Natürlich meinte er das“, sagte Nimue, auf den Boden vor ihm schauend, eine Hand schützend über die Augen geschirmt.
Banja lachte, und das Licht verlosch, und langsam sanken seine Füße auf das Eis hinab.
Nimue hob den Blick in sein Gesicht, und lächelte.
„Lange nicht gesehen“, sagte sie.
Banja nickte.
„Wie fühlst du dich?“
Sie lachte unwillkürlich auf, und schüttelte den Kopf.
„Lass uns das in der Kapsel besprechen. Ich habe auch ein paar Fragen, und hier draußen ist es doch sehr ungemütlich.“
Er grinste sie an und ging sogar so weit, ihr zuzuzwinkern.
„Einverstanden. Hast du vielleicht sogar einen Tee? Ich hatte sehr lange keinen Tee mehr, und Kentub sagte, ihr habt ihn bekommen.“
Nimue lachte noch mal.
„Klar sagt er das …“
Sie wandte sich ab und begann, in Richtung Kapsel zu stapfen.
„Ich bin sicher, wir können irgendwo ein bisschen Tee für dich auftreiben.“
Sie nickte Heik zu, und er salutierte auf sehr übertrieben alberne Art.
Die Besatzung der Humanity hatte natürlich nicht den Luxus gehabt, tatsächlich Arboretumsfläche für Tee aufzuwenden. Aber sie hatten verschiedene Blätter, Früchte und Samen getrocknet, um sie mit Wasser aufzugießen – und natürlich hinterher noch anderweitig zu verwerten. Nimue hatte immer gerne Getreidesud getrunken, aber sie wusste auch von anderen Besatzungsmitgliedern, die auf überbrühte Kohlblätter, Apfelschale, oder in einem Fall sogar Zwiebeln schworen.
Sie hoffte einfach, dass Banja nicht zu wählerisch sein würde, und dass Heik bitte nicht ausgerechnet Zwiebeln bringen mochte. Allein von dem Geruch wurde ihr immer schon ein bisschen schwummerig.

15. November 2058
„Ich möchte direkt mit einer der Außerirdischen sprechen.“
Die linke Frau lächelte.
Die rechte Frau lächelte.
Die beiden wandten einander die Köpfe zu und grinsten wie über einen geheimen geteilten Scherz.
Es dauerte lange, bis Sima klar wurde, dass die beiden nicht antworten würden.
„Woher soll ich denn wissen, dass Sie überhaupt eine fremde Zivilisation repräsentieren und nicht einfach zwei Spaßvögel sind? Ich will mit … Ihren Anführern sprechen!“
Die beiden lächelten einander wieder – oder immer noch – auf diese kryptische Art an.
Schließlich wandte sich die rechte von ihnen wieder Sima zu und antwortete, plötzlich ganz ernst: „Die Mitglieder der der Ihren weit überlegenen Zivilisation werden keinen direkten Kontakt zu Ihnen aufnehmen.“
Sima seufzte. Sie hatte mit dieser Antwort gerechnet, und eigentlich musste sie zugeben, dass die offensichtliche und mit keinen irdischen Mitteln erklärbare Macht dieser beiden sonderbaren Frauen ein besserer Beleg für ihre Alien-Herkunft war, als es irgendein Reptiloid hätte sein können, der ihr gegenübersaß und grünlichen giftigen Speichel auf den Tisch sabberte.
„Wir erwarten Ihre Antwort“, sagte die linke der beiden Frauen.
„Wir erwarten Ihre bedingungslose Kapitulation“, sagte die rechte.
Sima dachte kurz darüber nach, dass dies das erste Mal in ihren Interaktionen mit den beiden war, dass sich beinahe ein bisschen fast so etwas wie eine winzige Differenz zwischen den beiden abzuzeichnen schien. Vielleicht.
Aber sie befürchtete, dass das Ultimatum der Außerirdischen längst abgelaufen wäre, bis es ihr gelungen sein könnte, einen Keil zwischen die beiden zu treiben, sie gegeneinander auszuspielen und daraus einen eigenen Vorteil zu schlagen.
Sima seufzte.
„Und Sie sind wirklich nicht mal bereit, mir irgendwelche Zusicherungen zu machen? Ich meine, sehen Sie es vielleicht nicht als Bedingung, sondern als ein großzügiges, gerade weil völlig unnötiges Entgegenkommen, oder meinetwegen auch bloß als Information, die unsere Entscheidung beschleunigt …?“
„Wir sehen keinen Grund“, sagte die linke Frau,
„Zu irgendeinem Entgegenkommen“, ergänzte die rechte.
Die linke fügte hinzu: „Der Zeitpunkt Ihrer Entscheidung steht auch bereits fest.“
„Er ist jetzt“, sagte die rechte.
„Ich …“ Sima atmete tief durch. „Ich kann nicht einfach bedingungslos kapitulieren, wenn ich nicht einmal weiß, vor wem, und was Ihre Ziele sind. Ich weiß absolut nichts. Vielleicht ist es Ihr höchstes und eiligstes Ziel, die ganze Menschheit auszurotten. So geht das einfach nicht.“
Die beiden sahen einander ein paar Sekunden lang an, wandten sich wieder ihr zu, und sagten:
„Die ganze Menschheit auszurotten“
„Ist nicht das höchste und eiligste Ziel“
„Der der Ihren bei weitem überlegenen Zivilisation.“
Sima sah sie an.
„Das … reicht nicht“, sagte sie.
„Die Kapitulation“, sagte die linke Frau.
„Muss bedingungslos sein“, sagte die Rechte.
Sima schüttelte den Kopf.
„Es tut mir leid“, sagte sie. „So geht das nicht. Ich muss ablehnen. Keine Kapitulation. Machen Sie ein Angebot, oder verschwinden Sie, aber bedingungslos bekommen Sie von mir nichts.“
„Möglicherweise“, sagte die linke.
„Haben wir es nicht richtig erklärt“, ergänzte die rechte.
Die linke Frau wiederholte noch einmal: „Die Kapitulation muss bedingungslos sein.“
Sima schwieg, und sah die beiden nur an.
Manchmal half das, ihrer Erfahrung nach.
Aber natürlich nicht in diesem Fall. Der Versuch, die Vertreterinnen einer mutmaßlichen außerirdischen Invasionsstreitmacht durch Schweigen nervös zu machen und damit zu einem Fehler zu verleiten, war dann wohl doch ein bisschen zu viel erhofft.
Immerhin hatte Sima aus ihrer Sicht an diesem Punkt nicht mehr besonders viel zu verlieren.
„Nein“, sagte Sima, „Sie haben diesen Punkt hinreichend verständlich erklärt, und ich habe ihn auch tatsächlich verstanden. Ich kann ihn nur leider nicht akzeptieren.“
„Ist Ihnen klar“, sagte die rechte Frau.
„Dass das Ergebnis das gleiche sein wird“, vervollständigte die linke.
„Mit dem Unterschied, dass die der Ihren weit überlegene Zivilisation.“
„Erheblich größere Teile Ihrer Infrastruktur und Verwaltungsorgane zerstören wird.“
„Um das Ergebnis zu erreichen.“
„Ja“, antwortete Sima. „Tun Sie, was Sie nicht lassen können, und natürlich sind wir auch sehr aufgeschlossen für ein Angebot Ihrerseits. Auch eine Kapitulation kommt infrage, aber wir müssen zumindest irgendeine Art von Vereinbarung schließen, damit ich weiß, dass Sie nicht sowieso einfach alles zerstören.“
„Die Kapitulation“, sagte die rechte Frau.
Sima schüttelte den Kopf und stöhnte.
„Verschwinden Sie einfach“, sagte sie.
Die beiden identischen Frauen sahen einander wieder auf diese irritierend spiegelartige Weise an. Dann drehte die linke von ihnen sich wieder zu Sima, während die rechte weiter ihren Zwilling anstarrte.
„Präsidentin Sima“, sagte die linke Frau, die sich Sima zugewandt hatte.
„Wir können mit Gewissheit sagen“, sagte die rechte, die immer noch die linke ansah.
„Ganz unabhängig davon, was im Weiteren noch geschehen wird“, sagte die linke.
„Dass wir ganz sicher nicht verschwinden werden“, vervollständigte die rechte den Satz.
„Aber wir können jetzt Ihr Büro verlassen“, sagte die linke.
„Dann bitte bitte in Gottes Namen, tun Sie’s!“
Sie taten es.

82.26.149
„Also“, begannn Nimue, „Was weißt du? Oder … Fangen wir doch anders an: Wie ist deine Situation, Banja? Bist du frei, zu sprechen? Würdest du mir sagen, was du weißt?“
Banja lächelte nachdenklich.
„Was nützt dir die Antwort?“
„Kommt darauf an“, sagte Nimue. „Wie lautet sie denn?“
Sein Lächeln wurde ein bisschen breiter.
„Ich kann dir alles sagen, was ich weiß, aber ich weiß wahrscheinlich viel weniger, als du erwartest.“
Sie nickte.
„Ja, so ungefähr hatte ich mir das vorgestellt. Und … Du bist jetzt irgendwie mit den Fremden liiert?“
Er dachte kurz nach, bevor er antwortete: „Ja, aber ich weiß selbst nicht genau, wie. Sie haben etwas an mir verändert. Ich kann Dinge, die Menschen für gewöhnlich nicht können. Ich sehe Dinge, und höre Dinge. Und ich … verstehe sie. Sie reden zu mir. Ich glaube, ich bin aus ihrer Perspektive so eine Art Sklave?“
„Sklave!“
„Naja“, er lächelte verlegen. „Also, ich glaube schon, dass sie mich als Eigentum betrachten, und sie fragen mich nicht nach meiner Meinung, bevor sie Entscheidungen über mich treffen. Aber sie peitschen mich nicht aus, und ich lebe in … relativem körperlichem Komfort. Mir fehlt in der Hinsicht eigentlich nichts. Außer halt … Autonomie.“
Nimue sah sich in der winzigen, stinkenden, überfüllten Kapsel um.
„Ich weiß schon“, sagte sie, „dass ich jetzt sowas erwidern sollte wie dass das das einzige ist, das wirklich zählt, aber … Tut mir leid, bin mir gerade nicht so sicher.“
Banja lachte auf.
„Erstaunlich, dass gerade du das sagst.“
„Naja“, sagte Nimue. „So gemütlich wäre es bei Kentub und Jeanne auch nicht gewesen. Auf so viel haben wir mit dieser Entscheidung nicht verzichtet.“
Er zuckte die Schultern.
„Ja gut. Kann ich mir vorstellen.“
Sie atmete durch und sah ihm in die Augen.
„Aber darfst du mir auch sagen, was sie vorhaben? Was du hier für sie machen sollst?“
Er biss sich nachdenklich auf die Unterlippe und schaute auf Nimues Füße.
„Ich kenn dich“, sagte er, blinzelte, lachte kurz auf. „Naja, nicht so richtig gut, aber gut genug, um sicher zu sein, dass du mir das nicht glaubst. Aber ich weiß es auch nicht genau. Sie sind anders. Sie sind sehr anders. Und irgendwie kann ich sie jetzt verstehen, wenn sie … reden ist nicht ganz das richtige Wort, aber du weißt schon. Aber es ist ein bisschen wie wenn man ein Wörterbuch hat, aber die Sprache nicht kennt, ich muss raten, was sie meinen. Verstehst du?“
Sie nickte.
„Aber …?“
Banja lächelte. „Schon gut. Ich versuch nicht mich zu drücken. Ich überleg nur, wie ichs erkläre.“
Er verzog sein Gesicht zu einer Grübelgrimasse kratzte sich am Kopf und sagte schließlich:
„Also, sie wollen irgendwas mit diesen Insektenwesen machen, die hier auf dem Planeten leben. Deshalb haben sie Marchant geschickt, und … Ich glaube, sie dachten erst, dass das reicht, aber dann hat irgendwas nicht funktioniert. Ich bin mir auch nicht sicher, aber mein Gefühl war, dass Marchant irgendwie eine Verbindung zu denen herstellen sollte, dass er aber irgendwie … nicht durchgedrungen ist? Vielleicht, weil es irgendwelche Unterschiede zwischen denen gibt? Verschiedene Spezies vielleicht sogar? Das hab ich nicht richtig verstanden. Aber deshalb haben sie jetzt auch noch Psmith geschickt.“
Er presste die Lippen zusammen, zuckte die Schultern und schüttelte den Kopf.
„Ich glaube, ich hab da echt Glück gehabt. Sie hätten auch mich schicken können, oder? Und ich glaub, was auch immer die beiden machten mussten, ich stells mir nicht angenehm vor.“
„Und das hat jetzt geklappt?“
Er zuckte die Schultern.
„Weiß ich noch nicht. Ich glaube, es dauert eh ein bisschen, und es ist nicht so, dass sie alles zuerst mal mit mir besprechen, was sie machen.“
„Was haben sie vor“, fragte Nimue.
„Ich glaube, sie versuchen, ein Bündnis zu schließen, mit uns, und ihnen, und den … Termiten. Wobei das vielleicht zu freundlich gesagt ist. Realistischer wäre wahrscheinlich, dass sie uns benutzen wollen.“
„Aber wofür?“
Noch ein Schulterzucken.
„Naja, das haben sie auch nicht so richtig klar gesagt. Aber ich glaube, sie versuchen, eine Verteidigung aufzubauen.“
Nimue hob die Brauen und sah ihn fragend an.
„Ich glaube, sie werden gejagt“, sagte Banja. „Die Fremden sind auf der Flucht.“

Lesegruppenfragen:

1. Was denkt ihr so von dem letzten Satz?
2. Und generell das Gespräch zwischen Nimue und Banja, war das für euch langweilige Wiederholung, oder interessante Information? Falls Letzteres, fandet ihr das eher doof, das vorher nicht verstanden zu haben?
3. Hättet ihr euch auch wie Sima entschieden? Warum oder warum nicht?
4. BONUSFRAGE: Was wollt ihr mir eh gerade sagen oder mich fragen? Freie Auswahl!

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