Generationenschiff (29)


Ein neues Generationenschiff, nur für euch! Oder dich. Oder vielleicht auch nur für mich.

Keine Ahnung.

Viel Spaß!

16. November 2058

„Leviathan? Ernsthaft?“

„Ich mag den Leviathan!“

Manju zuckte die Schultern, tippte auf den Leviathan und schob ihn ein paar Zentimeter nach vorne, um ihren Entschluss noch einmal zu bekräftigen.

Jim schüttelte den Kopf und breitete die Hände in einer Geste empörter Ratlosigkeit.

„Der Leviathan ist eine total mittelmäßige Karte, was willst du jetzt mit dem?“

„Ja entschuldige bitte, dass ich manchmal vielleicht versuche, nicht einfach nur wie so ein Taschenrechner die optimale Kombination von Eigenschaften auszuspielen, sondern ein irgendwie stimmiges, befriedigendes Spielerlebnis anstrebe!“

Jim zeigte auf Manjus Kartenstapel.

„Dein Deck ist auch viel zu groß. 50 Karten.“

„Ach steck dir deine 50 Karten doch ins Ohr und freu dich, dass du immer gew…“

Die Tür öffnete sich, und eine Gruppe von Soldat*innen strömte in den Aufenthaltsraum. Sie trugen ihre Gewehre nicht nur über der Schulter, was schon ungewöhnlich genug gewesen wäre, sondern in Vorhalte. Eine trug sogar irgendetwas Größeres, das die beiden Kinder nicht identifizieren konnten.

„Es geht los!“

„Was? Wie…? Wa…? Was??“

„Der Start musste vorverlegt werden. Folgen Sie uns!“

„Wie vorverlegt? Der sollte doch erst nächstes Jahr AUA Lassen SIe … AUA!“

„Keine Zeit für Diskussionen, mitkommen.“

„Aber … Aua, schon gut, ich komm ja mit, was ist denn los?“

„Wir werden angegriffen. Noch eine Stunde bis zum Start.“

„Eine Stunde? Wie können wir denn plötzlich so schnell starten? Eine Stunde?“

„Kommen Sie einfach mit, für Erklärungen haben wir dann die nächsten zweihundert Jahre.“

Die Soldaten zerrten sie durch die Korridore, bis Jim schließlich rief:
„Ist doch gut, ist doch gut, wir kommen ja mit!“

Die Captain, die ihn am Oberarm gepackt hatte, nickte ihm zu und ließ ihn los. Auf eine Geste von ihr ließ der andere Soldat auch Manjus Oberarm los.

„Macht keinen Quatsch“, sagte die Soldatin. „Das ist keine Übung, und kein Scherz. Das ist das Ding, auf das ihr euch die letzten fünfzehn Jahre vorbereitet habt. Das ist das große Ding. Und es ist eigentlich noch nicht mal fertig.“ Sie seufzte. „Ich hoffe, ihr macht das gut.“

Jim hatte das Bedürfnis, irgendetwas Inspirierendes zu antworten, aber ihm fiel eigentlich nichts ein.

„Wir werden unser Bestes geben“, sagte er dann schließlich, und hoffte, dass das nicht irgendwann in irgendeinem Geschichtsbuch auftauchen würde.

Vielleicht konnte er ja noch was Besseres sagen, bis sie beim Shuttle angekommen waren? Ein bisschen Zeit war ja noch, und bestimmt hatten die wirklich letzten Worte vor dem Start mehr Gewicht als die vorvorletzten, oder so?

Er nahm sich vor, sich richtig gute letzte Worte zu überlegen. Verdammter Mist, er hatte gedacht, dafür noch ein Jahr Zeit zu haben.

Jim und Manju trotteten inmitten der Soldat*innen durch die Gänge der geheimen Basis – Jim dachte immer noch manchmal darüber nach, dass eine geheime Militärbasis für die meisten Leute bestimmt etwas total Exotisches war, wie ein Märchenwald … oder halt ein Raumschiff. Für ihn war es einfach nur zu Hause. –, bis sie die Gangway zum Shuttle erreichten.

Mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen starrten die beiden in den Himmel über dem Startplatz und sahen dort die viel zu bunten Wolken, und immer wieder gelegentliche grelle Lichtblitze.

„Was ist das?“

Die Captain antwortete, ohne sich zu beschweren oder Manju zu tadeln, wahrscheinlich weil die beiden nicht stehen geblieben waren, oder zumindest nicht länger als die Soldat*innen selbst.

„Nicht sicher“, sagte die Soldatin. „Wahrscheinlich EMP-Waffen. Kann aber auch was anderes sein.“

„Oh. Würde das den Start verhindern?“

„Ich weiß, dass die Ingenieure versucht haben, Vorkehrungen zu treffen. Hoffen wir das beste, hm?“

„Ja“, murmelte Manju und nickte.

*********************************************

Als Präsidentin Sima den Krisenraum betrat und die Marines die Tür hinter ihr schlossen, hatte sie sofort ein eigenartiges Gefühl. Die Atmosphäre im Raum war eindeutig … falsch. Sie hatte Anspannung erwartet, aber dies war anders.

Sie seufzte, schaute in die Runde der leeren, nur oberflächlich vertrauten Gesichter von Verteidigungsminister Shubert, Generalin Hurst, Generalin Shin, Admiral Burt, Staatssekretärin Eisenhower, und all der anderen, und sagte:

„Na los. Sagen Sie es.“

„Die“, sagte der Verteidigungsminister.

„Kapitulation“, sagte Generalin Hurst.

„Muss“, sagte Generalin Shin.

„Bedingungslos“, sagte Admiral Burt.

„Sein“, sagte Staatssekretärin Eisenhower.

Sime seufzte und ließ sich auf ihren Sessel fallen. Sie war eigentlich sogar so etwas wie erleichtert.

„Natürlich muss sie das“, stöhnte die Präsidentin.

Sie schaute in die bekannten, aber fremdartig seelenlosen Gesichter ihres Krisenstabs und fühlte die Entspannung durch ihren Körper fließen.

„Das heißt, das war es jetzt schon, oder?“, fragte sie. „Ich kann nichts mehr tun? Ich muss nicht einen hoffnungslosen Krieg führen, mir jeden Tag neue Reaktionen auf schreckliche Niederlagen überlegen und so tun, als bestünde noch irgendeine Chance?“

Sie hatte natürlich nicht mit völliger Sicherheit gewusst, dass der Kampf gegen die Außerirdischen aussichtslos war, aber sie hatte genug Vorstellungsvermögen, um keinen ernsthaften Zweifel daran zu haben, dass eine Zivilisation, die über Lichtjahre hinweg ein Objekt von den Ausmaßen eines kleinen Mondes bis zur Erde manövrieren konnte, der Menschheit in jeder Hinsicht ähnlich überlegen sein würde wie eine moderne Streitmacht einer römischen Legion.

„Sie müssen“, sagte Admiral Burt.

„Nur noch“, sagte Shubert.

„Bedingungslos“, sagte die Staatssekretärin.

„Kapitulieren“, sagte Generalin Shin.

Sima seufzte.

„Muss das sein?“, fragte sie. „Sie haben doch jetzt eh schon gewonnen, oder? Müssen Sie mich auch noch demütigen?“

„Ja“, antwortete Staatssekretärin Eisenhower. „Wir haben absolut keine Wahl.“

„Noch weniger als Sie“, sagte Generalin Shin.

„Das glaube ich Ihnen sogar“, sagte Sima. „Aber ich fürchte, so viel Stolz habe ich noch. Ich bin nicht bereit, zu kapitulieren.“

Sie war sich selbst erst sicher, als sie es sich sagen hörte. Sie war einerseits ein bisschen stolz auf sich, andererseits aber auch erschrocken von der eigenen Courage.

„Das“, sagte Admiral Burt.

„Können wir ändern“, sagte Generalin Hurst.

„Die“, sagte der Verteidigungsminister.

„Kapitulation“, sagte Generalin Hurst.

„Muss“, sagte Generalin Shin.

„Bedingungslos“, sagte Admiral Burt.

„Sein“, sagte Staatssekretärin Eisenhower.

Sima sank auf Ihrem Stuhl zusammen, sah sich kurz nach der Tür um, als in ihr für einen Moment eine letzte Spur von Widerstandsgeist aufflammte, ließ dann aber doch einfach alle Hoffnung fahren.

35.28.149

„Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, sagte Kentub.

Jole schnaubte und unterdrückte ein lauteres Prusten.

„Was ist das denn für ein peinlicher Spruch?“, fragte xier.

Er schnitt eine Grimasse.

„Egal jetzt. Wir haben das mit der Hydroponik geregelt, auch wenns wirklich … mühsam war.“

Jole grinste. „Weißt du überhaupt, was ein Eichhörnchen ist?“

Xier sah sofort, wie Kentub diese Mimik aufsetzte, die er immer aufsetzte, wenn er nicht zugeben wollte, was nicht zu wissen, aber bereit war, einzugestehen, dass das albern war.

„Es ist ein Tier“, sagte er, „Ein relativ kleines … mit so Zähnen, und es lebt … im Wald. Es kann fliegen, wenn es die Arme“

Jole lachte. „Zu viel gewagt. Verloren.“

Kentub seufzte. „Ich war schon immer eher der Typ Va-Banque-Spieler.“

„Es gab aber tatsächlich Hörnchen, die fliegen können. Oder zumindest so ein bisschen gleiten.“

Kentub schnippte mit den Fingern.

„Gleithörnchen!“

Jole betrachtete besorgt Kentubs Hand.

„Du siehst die falschen Filme“, sagte xier.

„Nur weil es dir nicht gef…“

Die Luke zu der Kapsel öffnete sich.

„Banja?“, rief Kentub.

„Ja.“

„Muss das jetzt sein, wir besprechen gerade was Wichtiges, und …“

„Ich brauche Jeanne.“

„Was?“

„Ich brauche Jeanne.“

„Wir alle brauchen Jeanne. Ich vermute, du hast was Bestimmtes mit ihr vor?“

„… Ja.“

„… Was?“

„… Ich weiß es noch nicht. Ich habe … Die Fremden haben mir befohlen. Ich denke, ich werde sehen, wenn es so weit ist.“

„Was weißt du denn über die Sache?“, fragte Kentub.

„Ich soll sie mitnehmen, in einen der Tunnel.“

„Okay. Das klingt einerseits gefährlich, aber ich würde hoffen, dass Jeanne sich zu verteidigen weiß.“

„Wir müssen bis ganz nach unten.“

„Okay. Ich würde ja fast mitwollen, aber zusammen mit dem Übermenschen mit Superkräften und der Titan-Maschine mit integrierten Geschützen als … einfach irgendso’n Mensch in einen Tunnel voller riesiger Insekten zu steigen, kommt mir gerade wie keine gute Idee vor.“

Erwartungsvoll schaute er Jole ab, aber xier blickte nur fragend zurück.

„Ich sehe doch die richtigen Filme, gib’s zu!“, sagte er.

Jole lachte und schüttelte den Kopf.

„Das ist alles?“, fragte Kentub Banja, jetzt wieder ernster. „Mehr weißt du nicht darüber, was sie mit Jeanne vorhaben?“

Banja schüttelte den Kopf.

„Das ist alles. Ich bin mir nie völlig sicher, ob ich sie richtig verstehe, insofern ist nicht mal das sicher, was ich schon gesagt habe.“

„Was kann denn eine Zivilisation, die den Tod so gründlich überwunden hat und überhaupt technologisch so weit vor unserer liegt, mit Jeanne vorhaben?“

„Wenn du oft genug fragst, kann ichs dir bestimmt irgendwann beantworten“, sagte Banja.

Kentub schnitt eine Grimasse mit verdrehten Augen und zusammengepressten Lippen.

„Entschuldigung“, sagte er. „Ich dachte, ich kann ja noch mal nachfragen, ob ich alles richtig verstanden habe, und ob mir vielleicht noch bestimmte Informationen fehlen, weil es ja immerhin möglich ist, dass du auch fehlbar bist und deshalb nicht gleich beim ersten Versuch alles gesagt hast, was relevant sein könnte.“

Banja sah ihn an.

Banja blies die Wangen auf und ließ langsam Luft durch die Lippen entweichen. Er wiegte den Kopf.

„Ja schon gut“, sagte Kentub.

„Danke“, sagte Banja. „Kann ich denn jetzt Jeanne haben?“

„Jeanne trifft ihre eigenen Entscheidungen“, sagte Kentub. „Aber von mir aus, ja. Und ich will mit.“

„Du hast doch gerade selbst gesagt …?“

Kentub nickte.

„Dass es mir nicht wie eine gute Idee vorkommt.“

Banja sah ihn an.

„Ich bin an Bord eines 150 Jahre alten Raumschiffes zu einem Eisball geflogen, nachdem ich vom Koch zum Kapitän umfunktioniert wurde, und darauf abgestürzt und was an meiner Vorgeschichte erweckt den Eindruck, dass es für meine Entscheidungen irgendwie maßgeblich ist, was mir wie eine gute Idee vorkommt?“

„Wie hast du die letzten Jahre ausgehalten?“, fragte Banja Jole.

„Ich bin stark“, antwortete xier, „Und wenn es richtig schlimm wird, gehe ich einfach und lass ihn mit Jeanne alleine.“

„A propos Jeanne“, sagte Kentub, und stand auf. „Ich bin auch gespannt, was sie dann sagt. Kommt ihr mit?“

„Garantiert nicht in die Termitengänge“, sagte Jole. „Da war mir die Reise zu Nimues Camp schon bedrückend genug, und wir haben nicht mal eins von den Dingern gesehen. Sind die wirklich so groß dass sie den Gang ganz ausfüllen würden?“

„Nicht ganz, also, einmal haben sie ja eh diese Termitenstruktur, du könntest also immer noch zwischen den Beinen durchlaufen, wenn sie so hoch wäre, und zumindest die, die ich gesehen habe, war auch nur so 2 Meter groß.“

„Find ich groß genug.“

„Sollte dich das nicht total faszinieren, als Wissenschaftler*in?“

„Sollte dich das nicht total … hungrig machen, als Koch?“

„Das ist doch jetzt einfach nur Quatsch.“

„Ach was.“

„Jeanne! Jeanne, kommst du mal bitte!“

„Was kann ich für Sie tun, Kapitän?“

„Jaaaa wenn ich das wüsste. Banja will dich ausleihen. Er, also: die Fremden wollen, dass er dich in die Tunnel bringt, ganz tief nach unten.“

Eine ihrer Kameras drehte sich zu Banja, die andere blieb auf Kentub gerichtet. Banja konnte nicht anders, er wich unwillkürlich ein Stück zurück und erschauderte. Das verflixte Ding machte ihn immer noch nervös.

„Zu welchem Zweck?“, fragte die Maschine.

„Ich weiß es auch nicht“, antwortete Banja.

„Haben Sie eine Vermutung?“

„Eigentlich nicht. Vielleicht ist da unten etwas, das sie mit deiner Hilfe bergen wollen, oder öffnen, oder … finden?“

„Ich komme mit“, sagte Kentub.

„Ich bin bereit, den Wunsch der Fremden zu erfüllen. Die Gefahr scheint mir vertretbar, und ich bin überzeugt, dass die Fremden in der Lage wären, ihren Wunsch auch gegen meinen Entschluss durchzusetzen.“

„Danke“, sagte Banja.

„Ich bin nicht bereit, den Kapitän mitzunehmen.“

„Das ist in Ordnung“, sagte Kentub. „Musst du nicht, ich kann einfach selber mitlaufen.“

„Sie missverstehen“, erwiderte Jeanne.

„Nein“, sagte Kentub.

„Doch“, sagte Jeanne. „Ich werde nicht zulassen, dass Sie uns auf dieser Expedition begleiten.“

Er grinste und breitete die Arme aus.

„Wenn ich versuche, heimlich hinter euch herzuschleichen, dann ist das für mich noch viel gefährlicher, das kannst du also auch nicht wollen, deshalb schätze ich, es gibt für dich nur eine sinnvolle Option, und die wäre …

„Sie missverstehen.“

„Na dann versuch mal, mich aufzuhalten.“

*********************************

11.08

Colin Bly lehnte seine Stirn gegen das kühle Glas und suchte den winzigen Punkt in der Ferne, der wahrscheinlich nur noch blau aussah, weil er ihn sich so vorstellte, und von dem sie mit einer Rate fort beschleunigten, die für alle menschlichen Maßstäbe enorm war, aber dennoch bei Weitem nicht ausreichen würde, damit er das Ziel dieser Reise noch erleben würde.

„Wie geht es Ihnen, Captain?“ fragte Jeanne.

Er schnaubte ein bitteres Lachen.

„Wundervoll“, antwortete er.

„Sarkasmus kann die Moral der Crew zermürben, insbesondere, wenn er vom Captain herrührt.“

„Die Crew kann mich nicht hören, oder?“

„Ihre Reaktionen auf mich indizieren Ihren emotionalen Status, und dieser formt auch Ihren Umgang mit der Crew, Captain.“

„Niemand wird überleben, oder?“ fragte Colin.

„Diese Frage hat Ihr Vater bereits beantwortet, Captain.“

Er lachte auf.

„Mein Vater wusste es. Alle wussten es. Aber sie wollten nicht, dass wir es wussten, stimmts? Weil die Sozialingenieure prognostiziert haben, dass wir unsere Funktion besser erfüllen werden, wenn wir es nicht wissen. Habe ich Recht?“

„Diese Frage hat Ihr Vater bereits beantwortet, Captain.“

„Jeanne“, sagte Bly, ohne sich umzudrehen. „Verarsch mich nicht. Ich bin der Captain dieser Mission, und ich weiß, dass du hier bist um uns zu überwachen, als objektive Instanz, damit wir nicht alle durchdrehen, aber glaub mir, ich dreh nicht durch, und wenn du nicht ganz bald im Ersatzteillager enden willst, dann solltest du dich daran gewöhnen, vernünftig mit mir zusammenzuar“

Colin erstarrte, als Jeanne eine stählerne Hohlnadel unter dem Os Occipitale hindurch in seinen Schädel stieß. Seine Hände krampften kurz an der Wand, an der er sich abstützte, und langsam ausatmend sank er zu Boden.

58.29.149

„Ist Ihnen bekannt, ob die fremden Kreaturen, die auf diesem Planeten heimisch sind, noch eine Bedrohung darstellen?“

„Ich habe das so verstanden, dass die Fremden im Begriff sind, die Kontrolle über sie zu übernehmen, aber ich würd mich nicht drauf verlassen. Sind sie denn eine Gefahr für dich?“

„Ich vermute, dass sie meinen Mantel nicht ohne weiteres durchdringen könnten, aber ich weiß noch zu wenig über die Spezies, um das mit Sicherheit sagen zu können.“

Sie gingen einige Schritte stumm nebeneinander her, bis Banja sagte:

„Jeanne, weißt du was?“

„Was meinen Sie?“, fragte die Maschine zurück.

„Es ist so merkwürdig, so mit dir zu reden, Jeanne.“

„Was empfinden Sie daran als merkwürdig?“

„Naja. Wir sind jetzt. So auf einem Level, weißt du? Du warst für mich immer diese … finstere Bedrohung, diese Tyrannin, der man am besten aus dem Weg geht. Deren Entscheidungen ich gehasst habe. Tu ich übrigens immer noch. Aber jetzt laufen wir einfach zusammen diesen Tunnel entlang und haben sowas wie ein gemeinsames Ziel und unterhalten uns darüber. Das ist … aus damaliger Perspektive einfach völlig bizarr. Und jetzt, wo ich drüber nachdenke, bin ich ja sogar in einer ähnlichen Situation wie du. Ich hab auch eigentlich keine Freiheit und tu nur, wofür andere mich vorgesehen haben … Sag mal, würdest du sagen, dass du ein Bewusstsein hast?“

„Nein“, antwortete die Maschine.

Banja atmete durch, nickte, und lächelte.

„Danke“, sagte er. „Jetzt ist schon viel weniger merkwürdig.“

„Ich freue mich, wenn ich es Ihnen leichter machen konnte.“

Sie blieben ziemlich genau gleichzeitig stehen, weil Jeannes Sensoren die Kriegerin fast im selben Moment wahrnahmen wie Banjas durch die Technologie der Fremden verbesserte Sinne.

„Dann finden wir es wohl jetzt heraus“, murmelte Banja.

Das Ding stand einfach nur da und reagierte nicht auf sie. Gute, dachte Banja. Dann haben wir zumindest Zeit.

„Bitte teilen Sie mir mit, welche Veränderungen die Fremden an Ihnen vorgenommen haben“, sagte Jeanne.

Banja lachte auf.

„Du glaubst doch nicht, dass es so einfach ist, oder? Ich hab keine Ahnung.“

„Mir ist bewusst, dass Sie nicht den Prozess schildern können und die Technologie nicht verstehen. Ich nehme aber an, dass Sie zumindest teilweise wissen, welche besonderen Fähigkeiten oder Werkzeuge Sie hinzugewonnen haben.“

Banja blies Luft zwischen den Lippen hindurch.

„Ja gut… also, teilweise. Aber das ist kompliziert.“

„Es könnte sich trotzdem lohnen, einen Versuch zu unternehmen. Sollte es zu einem gewalttätigen Konflikt kommen, könnte die Kenntnis ich denke, meine Anfrage ist soeben gegenstandslos geworden.“

Jeannes gleichförmiger Tonfall trotz des Sinnbruches verwirrte Banja so sehr, dass er ein paar Sekunden brauchte, um sie zu verstehen, obwohl er es mit eigenen Augen sah.

„Eigentlich ist sie doch nur umso dringender geworden…?“, fragte er.

„Sie sollten nicht ausgerechnet jetzt anfangen, Ihrem Vater nacheifern zu wollen, antwortete Jeanne, untermalt vom Surren ihrer Motoren, während ihre Geschütze der Bewegung der auf sie zu stürmenden Kriegerin folgten.

 

Lesegruppenfragen:

  1. Ehrlich, ich mein das nicht irgendwie passiv-aggressiv oder mitleidheischend, sondern rein informationshalber. Liest hier eigentlich noch jemand mit?
  2. Kinder als Begriff für die zwei Jugendlichen da in der Szene mit den Soldat*innen finde ich nicht völlig passend, aber mir ist auch nichts Besseres eingefallen. Euch?
  3. Einfach mal so insgesamt, liebe mitlesende Massen, die es alle gar nicht abwarten können, mir ihre Einschätzung mitzuteilen und sie ausführlich mit mir zu diskutieren: Wie findet ihr bisher? Was ist euer Gesamteindruck? Fehlt euch was? Ist euch was zu viel? Gefällt euch was besonders? Findet ihr was besonders doof? (Nicht dass ich selbst nicht ganz viele Ideen hätte. Aber mehr ist doch immer besser, sagte der Anarchokapitalist.)
  4. Wie viele Kapitel wollen wir noch machen?

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