What Rough Beast, Zug 6


Übrigens hab ich Generationenschiff nicht vergessen. Das geht auch noch weiter.

Aber heute gibts erst mal wieder eine neue Episode aus unserem Mailrollenspiel.

Anmerkung vorab: Ja, diese eine Szene wiederholt sich sehr ähnlich für alle Charaktere. Mir ist zu spät klar geworden, dass meine Faulheit da ein bisschen zu sehr auf Kosten der Mitlesenden geht, falls es die überhaupt gibt. Gibts euch? Egal. Passiert jedenfalls genau so nicht wieder.

Melanie
Die beiden Polizistinnen schauen einander fragend an, schließlich zuckt sie die Schultern und zieht ihre Waffe. Zusammen lassen sie sich von Melanie zu der Zimmertür führen. Die Polizistin mit der gezogenen Waffe bleibt daneben an der Wand stehen, die andere stellt sich auf die andere Seite der Tür und klopft.
„Wir sind Polizeibeamte!“, ruft sie, „Bitte kommen Sie zur Tür und öffnen Sie sie vorsichtig. Wir müssen mit Ihnen sprechen.“
Als ihr nur ein paar Sekunden Stille antworten, sehen die beiden einander wieder mit dem gleichen Blick an. Die Polizistin mit der Waffe presst die Lippen eng aufeinander, die andere seufzt und zieht ihre auf.
„Wir kommen jetzt in das Zimmer!“, ruft sie.
Die erste legt eine Hand auf die Türklinke, nickt der anderen noch einmal zu, damit sie aus dem Weg gehen kann, und stößt dann die Tür auf. Mit ausgestreckter Waffe betritt sie den Raum, sieht sich um, und ein wenig der sichtbaren Anspannung verlässt ihren Körper. Die andere folgt ihr, und die beiden durchsuchen noch kurz Bertas Zimmer, finden aber niemanden darin.
Sie schauen aus dem offenen Fenster, da sie aber keinerlei Spuren sehen, entscheiden sie nach kurzer Beratung, dass es keinen Sinn hat, zu versuchen, ihn zu verfolgen.
„Hat er Ihnen irgendwie gedroht?“, fragt die Polizistin, die als zweite ihre Waffe gezogen hat. Achebe steht auf ihrem Namensschild. „Wissen Sie, was er hier wollte?“
Nachdem Melanie ihnen alles erzählt hat, empfehlen sie ihr, woanders zu schlafen, wenn sie kann.
„Haben Sie vielleicht Verwandte oder Freunde in der Nähe? Oder können Sie ein Hotelzimmer nehmen?“

Melanie ist plötzlich rückwirkend überhaupt nicht überrascht. Mist Mist Mist, das war eigentlich klar gewesen.
Sie entschuldigt sich bei den Polizistinnen, versichert noch mehrfach, dass sie weder spinnt noch ihnen einen Streich gespielt hat, aber keine der Beteiligten kann noch irgend etwas wirklich Nützliches hinzufügen.
Sie unterschreibt alles, was sie unterschreiben muss, und die Polizistinnen verabschieden sich.

Sie setzt sich wieder in die Küche. Die Bedrohung fühlt sich schon wieder so surreal an Sie wird nicht woanders schlafen. Bald müssten ja auch Katja und Andrea wiederkommen, dann kann man gemeinsam weitersehen.

Eine gute Stunde später sitzt sie immer noch in der unbeleuchteten Küche, es ist dunkel geworden, die Scones sind alle und ihr ist ein bisschen schlecht.
Sie kann sich nicht entscheiden, ob sie Angst hat oder nicht, und ob und was sie den anderen erzählen soll. Sie hat auf jeden Fall das Gefühl, etwas falschgemacht zu haben, aber ob der Fehler eher darin lag, die Gefahr über- oder doch unterschätzt zu haben, ist ihr nicht klar.

Sie wundert sich, wo die anderen bleiben und steht irgendwann doch auf, macht Licht an und schaut auf den bunten Wandplaner, der am Kühlschrank hängt. Stimmt, die beiden haben ja Probe heute Abend. Dann bleiben sie wahrscheinlich eh bei Irina in der Stadt.
Melanie ist fast ein bisschen erleichtert.

Weniger aus Angst oder der Hoffnung, damit etwas zu verändern, mehr aus einem Gefühl von due diligence heraus kramt sie Andreas gigantische alte Maglite aus der Flurschublade – die Batterien sind leer, aber das Ding fühlt sich wie eine gute Waffe an – und legt sie neben sich, als sie zu Bett geht.
Sie liegt lange im Dunkeln und starrt an die Decke, aber irgendwann schläft sie doch ein.

Melanie findet sich in einer weißen Unendlichkeit, umgeben von Gruppen anderer Menschen, größtenteils zwei, die einander gegenüber stehen, aber in manchen Fällen auch mehrere, manchmal sogar nur eine einzelne Person. Der Effekt erinnert an ein Spiegelkabinett, weil die anderen in alle Richtungen gleichmäßig verteilt im Nichts schweben, soweit Melanie sehen kann, nur dass sie nicht alle gleich aussehen und Reflexionen von ihr selbst sind, sondern anscheinend bunt gemischt allen Altern, allen Berufsgruppen, allen Hautfarben und Körperformen angehören. Recht weit weg meint Melanie sogar ein Lama und woanders einen Hund erkennen zu können.
Eine ganze Weile wähnt Melanie sich allein und wundert sich, dass ihr niemand gegenüber steht, bis ihr die Stubenfliege auffällt, die in ungefähr 50cm Abstand vor ihrer Nase schwebt. Sie sieht aus wie eine normale Stubenfliege, abgesehen von den Augen, die nicht nur nicht schwarz sind, sondern sogar noch unterschiedliche Farben haben: Das linke ist grün, das rechte ist gelb.
Und sie kann offenbar sprechen.
„Hallo“, sagt die Stubenfliege. Es ist nicht so, dass sie richtig spricht. Die Worte erscheinen irgendwie in Melanies Kopf, fast wie eigene Gedanken. Aber es sind keine. Sie kommen von der Fliege. Woher auch immer sie das weiß.
„Es ist aus.“ Die Fliege breitet ihre Flügel aus und summt kurz. „Die Welt, wie wir sie kennen, endet heute Nacht.“ Sie beginnt, ihr Gesicht zu putzen, oder wie das bei Fliegen heißt. „Hat nicht nur Nachteile, oder? Naja. Wir werden sehen. Aber du und ich, wir sind jedenfalls noch da. Hat sicher auch nicht nur Nachteile. Aber auch.“ Sie fliegt eine kleine Schleife. „Egal.“
Die Fliege kommt noch ein Stück näher an Melanies Gesicht.
„Wir haben früher oder später ein paar Dinge zu besprechen“, sagt sie, „Aber die haben Zeit. Erst mal musst du eine Entscheidung treffen. First things first, wie der Franzose sagt: Möchtest du beim Untergang dabei sein, oder nicht?“

Katharina
Nachdem sie den ersten Schock überwunden hat, testet Katharina ihre Halluzinationshypothese. Augen schließen, wieder öffnen – der Hund ist noch da. Sie berührt vorsichtig seinen Kopf – fühlt sich an wie vorhin im Park. Möglicherweise steht er also tatsächlich in ihrer Küche. „Gut“, sagt sie laut. Sie packt ihn fest am Halsband und zieht ihn Richtung Flur.

Der Hund lässt sich zwar widerwillig, aber schließlich doch ziehen, und am Ende gelingt es Katharina sogar, ihn durch die Tür ganz aus ihrer Wohnung zu schieben und zu zerren und kann dann die Tür wieder schließen und sich an ihrer vorerst hundefreien Wohnung erfreuen.

Sie schaut sicherheitshalber noch einmal in jedem Zimmer nach, aber kein Hund weit und breit. Vor lauter Erleichterung bemerkt sie den Geruch erst, als er schon eindeutig die Schwelle von „leicht verbrannt“ zu „völlig verkohlt“ überschritten hat. Mit großen Sprüngen hechtet Katharina in die Küche, zerrt die Karoffeln vom Herd und reißt die Fenster auf. Dieser Tag fing ja gut an, aber wenn das so weiter geht… Zeit zum Essen ist jetzt nicht mehr.

Als ihr Nachhilfeschüler kommt, hat Katharina sich wieder im Griff. Sie erklärt ihm den Ablativus absolutus, lässt ihn verschiedene Übversetzungsvarianten üben und ist insgesamt gar nicht so unzufrieden mit dem Jungen. Danach ruft sie bei Harnacks an und verabredet sich mit Frau Harnack und den beiden Kleinen zum Kaffeetrinken.

Zwei große Stücke Sahnetorte, viel Kaffee und jede Menge feuchte Kinderknutscher vom jüngsten Harnack später hat Katharina den Hund fast völlig aus ihren Gedanken verdrängt. Erst als sie wieder allein in ihrer Wohnung ist, fängt sie an, sich zu fragen, ob nicht doch irgendwas mit ihrem Kopf nicht völlig in Ordnung ist. Es stimmt schon, in letzter Zeit war sie ein wenig vergesslich. Typische Rentnerprobleme, versichern ihr alle, doch Katharinas Geist ist ein wohlsortierter Ort, und verlegte Dinge passen dazu nicht. Von seltsamen Hunden ganz abgesehen. Aber wenn tatsächlich etwas nicht stimmt, dann wäre es wohl besser, das würde früh erkannt werden, vielleicht kann sie dann Gingko-Tabletten nehmen oder was auch immer man dann tut. Morgen früh, beschließt Katharina, geht sie zu ihrem Hausarzt und bittet um eine Überweisung zum Neurologen. Nach diesem Entschluss ist vom Tag nicht mehr viel übrig. Einen letzten Rundgang in der – anscheinend gänzlich hundefreien – Wohnung kann Katharina sich nicht verkneifen, dann geht sie schlafen.

Sie ist nicht besonders überrascht, dass sie von dem Hund träumt.
Katharina findet sich ihm gegenüber schwebend in einer weißen Unendlichkeit, umgeben von Gruppen anderer Menschen, größtenteils zwei, die einander gegenüber stehen, aber in manchen Fällen auch mehrere, manchmal sogar nur eine einzelne Person. Der Effekt erinnert an ein Spiegelkabinett, weil die anderen in alle Richtungen gleichmäßig verteilt im Nichts schweben, soweit Katharina sehen kann, nur dass sie nicht alle gleich aussehen und Reflexionen von ihr selbst sind, sondern anscheinend bunt gemischt allen Altern, allen Berufsgruppen, allen Hautfarben und Körperformen angehören. Recht weit weg meint Katharina sogar ein Lama erkennen zu können.
„Hallo“, sagt der Hund. Es ist nicht so, dass er richtig spricht. Sein Maul – oder sagt man Mund, bei einem sprechenden Tier? – bewegt sich nicht. Die Worte erscheinen irgendwie in Katharinas Kopf, fast wie eigene Gedanken. Aber es sind keine. Sie kommen von dem Hund. Woher auch immer sie das weiß.
„Es ist aus.“ Der Hund legt den Kopf schief und jault kurz leise. „Die Welt, wie wir sie kennen, endet heute Nacht.“ Er leckt sich die Lefzen. „Hat nicht nur Nachteile, oder? Naja. Wir werden sehen. Aber du und ich, wir sind jedenfalls noch da. Hat sicher auch nicht nur Nachteile. Aber auch.“ Er schüttelt sich. „Egal.“
Der Hund schwebt etwas näher an sie heran, und höher, so dass seine merkwürdigen verschiedenfarbigen Augen direkt in ihre blicken.
„Wir haben früher oder später ein paar Dinge zu besprechen“, sagt er, „Aber die haben Zeit. Erst mal musst du eine Entscheidung treffen. First things first, wie der Franzose sagt: Möchtest du beim Untergang dabei sein, oder nicht?“
Frida
Die Nachrichten geben Frida keinerlei weiteren Hinweis auf die ihrer Meinung nach bevorstehende Katastrophe, und so kann sie dann … Vielleicht nicht beruhigt, aber zumindest nicht noch weiter beunruhigt, zu Bett gehen.
Sie ist nur mittelüberrascht, als ihr Golda im Traum wieder begegnet.
Frida findet sich in einer weißen Unendlichkeit, umgeben von Gruppen anderer Menschen, größtenteils zwei, die einander gegenüber stehen, aber in manchen Fällen auch mehrere, manchmal sogar nur eine einzelne Person. Der Effekt erinnert an ein Spiegelkabinett, weil die anderen in alle Richtungen gleichmäßig verteilt im Nichts schweben, soweit Frida sehen kann, nur dass sie nicht alle gleich aussehen und Reflexionen von ihr selbst und der ihr gegenüber schwebenden Golda sind, sondern anscheinend bunt gemischt allen Altern, allen Berufsgruppen, allen Hautfarben und Körperformen angehören. Recht weit weg meint Frida sogar ein Lama und woanders einen Hund erkennen zu können.
„Hallo“, sagt Golda zu ihr. Sie steht sehr nah vor Frida, ihre irritierenden verschiedenfarbigen Augen blicken direkt zu ihr auf. Golda trägt immer noch ihr Comic-Shirt. Sie lächelt melancholisch, breitet die Arme aus und sagt: „Es ist aus.“ Sie lässt die Arme sinken, zuckt die Schultern. „Die Welt, wie wir sie kennen, endet heute Nacht.“ Sie legt den Kopf schief und einen Zeigefinger nachdenklich auf ihre Unterlippe, und das Lächeln wird ein bisschen weniger melancholisch. „Hat nicht nur Nachteile, oder? Naja.“ Sie schauf ihre Füße und murmelt: „Wir werden sehen.“ Sie hebt den Blick wieder zu Frida. „Aber du und ich, wir sind jedenfalls noch da. Hat sicher auch nicht nur Nachteile. Aber auch.“ Sie verdreht die Augen kurz nach oben und murmelt: „Egal.“
Golda fasst Fridas Hände und schaut ihr wieder direkt in die Augen.
„Wir haben früher oder später ein paar Dinge zu besprechen“, sagt Golda, „Aber die haben Zeit. Erst mal musst du eine Entscheidung treffen. First things first, wie der Franzose sagt: Möchtest du beim Untergang dabei sein, oder nicht?“

„Ja.“

Golda lächelt und nickt zufrieden.
„Super, danke! Dann kanns ja eigentlich losgehen. Hast du noch irgendwelche Fragen? Ich hab erst mal keine mehr, wie gesagt, die Details haben Zeit.“

Desmond

Tapfer alle eigenartigen Geräusche aus dem Badezimmer ignorierend kann Desmond schließlich einschlafen.
Er ist nur mittelüberrascht, als ihm Meiserling im Traum wieder begegnet.
Desmond findet sich in einer weißen Unendlichkeit, umgeben von Gruppen anderer Menschen, größtenteils zwei, die einander gegenüber stehen, aber in manchen Fällen auch mehrere, manchmal sogar nur eine einzelne Person. Der Effekt erinnert an ein Spiegelkabinett, weil die anderen in alle Richtungen gleichmäßig verteilt im Nichts schweben, soweit Desmond sehen kann, nur dass sie nicht alle gleich aussehen und Reflexionen von ihm selbst und dem ihm gegenüber schwebenden Meiserling sind, sondern anscheinend bunt gemischt allen Altern, allen Berufsgruppen, allen Hautfarben und Körperformen angehören. Recht weit weg meint er sogar ein Lama und woanders einen Hund erkennen zu können.
„Hallo“, sagt Meiserling zu ihm. Er steht sehr nah vor Desmond, seine irritierenden verschiedenfarbigen Augen blicken direkt in Desmonds. Er trägt immer noch seine überkandidelte Concierge-Uniform. Er lächelt melancholisch, breitet die Arme aus und sagt: „Es ist aus.“ Er lässt die Arme sinken, zuckt die Schultern. „Die Welt, wie wir sie kennen, endet heute Nacht.“ Er legt den Kopf schief und einen Zeigefinger nachdenklich auf seine Unterlippe, und das Lächeln wird ein bisschen weniger melancholisch. „Hat nicht nur Nachteile, oder? Naja.“ Er schauf seine Füße und murmelt: „Wir werden sehen.“ Er hebt den Blick wieder zu Desmond. „Aber du und ich, wir sind jedenfalls noch da. Hat sicher auch nicht nur Nachteile. Aber auch.“ Er verdreht die Augen kurz nach oben und murmelt: „Egal.“
Meiserling hebt die Hände und legt sie auf Desmonds Schultern und schaut ihm wieder direkt in die Augen. Desmond spürt natürlich den Impuls, zurückzuweichen, aber weil er frei im leeren Raum schwebt, weiß er nicht, wie er diesen mentalen Impuls in einen physikalischen übertragen soll.
„Wir haben früher oder später ein paar Dinge zu besprechen“, sagt Meiserling, „Aber die haben Zeit. Erst mal musst du eine Entscheidung treffen. First things first, wie der Franzose sagt: Möchtest du beim Untergang dabei sein, oder nicht?“

„Was war da im Badezimmer los?“

Meiserling winkt ab.
„Das ist jetzt nicht wichtig. Sag mal, wie ist das mit dem Weltuntergang? Dabei sein, oder nicht?“

„Dabeisein ist alles.“

Er lächelt ein bisschen traurig.
„Alles ist dann leider eher nicht mehr. Aber ja. Wahrscheinlich. Irgendwie.“
Dann hellt seine Miene sich plötzlich wieder auf.
„Naja. Hast du denn sonst noch Fragen? Ach ja, das mit dem Badezimmer. Nichts Besonderes eigentlich. Irgendwie müssen wir uns ja kennenlernen. Also, vor allem ich dich. Es bleiben nicht so viele von euch übrig, weißt du, und wir wollen einschätzen können, mit wem wir es zu tun haben. Sonst noch was?“

Jack
Die Arbeit geht Jack gut von der Hand, und nach dem komischen Erlebnis mit Lämmergeier ereignet sich auch nichts Außergewöhnliches mehr. So kann er pünktlich seinen Computer herunterfahren und sich auf den Weg nach Hause machen, wo er dann seinen eigenen Computer hochfährt und sich an sein Hobby macht. Schon nach wenigen Minuten hat er eine sehr interessante Schwachstelle im Shop von boettcher.com gefunden und versinkt im Flow, bis ihn die Klingel seiner Wohnungstür unterbricht.

Jack schreckt auf, und unwillkürlich kommt ihm ein „was zum…“ über die Lippen. Doch im nächsten Moment beruhigt er sich wieder. Sicher nur ein Nachbar, der sich was ausleihen will oder so. Er sperrt seinen Bildschirm (alte Gewohnheit) geht zur Tür und öffnet sie schwungvoll.

Vor der Tür steht Herr Lämmergeier. Er lächelt freundlich und ein bisschen unsicher und erklärt händeringend:
„Guten Abend, ich dachte, wenn ich eh schon dabei bin, kann ich auch gleich Ihren Heimarbeitsplatz begehen. Passt es gerade?“

„Nein, es passt absolut nicht! Woher haben Sie überhaupt meine Privatadresse? Ich weiß, Sie machen nur Ihre Arbeit, aber das geht jetzt wirklich zu weit.“

Er lächelt vage betreten.
„Naja, zu weit … Ich verstehe natürlich, dass das für Sie jetzt unerfreulich ist, aber ich muss ja sicherstellen, dass Sie konform zu den arbeitsmedizinischen Vorgaben arbeiten, wenn ich das testieren soll, und das heißt auch bei Ihnen zu Hause, ist ja nicht so, dass ich Sie dann hinterrücks niederschlage, zerteile und Ihre Überreste in Kunststoffbeutel verpacke und unter Ihrem Bett verstecke. Ne?“
Er lacht.

Jack schließt die Tür, so dass sie nur noch einen kleinen Spalt aufsteht. Sicherheitshalber stellt er noch einen Fuß dagegen.

„Sie müssen hier gar nichts testieren. Rufen Sie meine Vorgesetzten an, die können mich ja rauswerfen wenn es ihnen nicht passt. Mir reicht es jetzt. Wer hat Sie überhaupt zu mir geschickt?“

„Geschickt ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Ich übe meine Tätigkeit für Ihre arbeitgebende Gesellschaft ja freiberuflich und nicht weisungsgebunden aus und muss natürlich nach eigenem Ermessen die Maßnahmen festlegen, die ich für angemessen halt, um die Compliance eines Unternehmens und aller Abteilungen zu optimieren. Machen Sie am besten einfach die Tür auf und stellen Sie den Fuß aus der Bewegungsbahn des Blatts. Das kann ohne Sicherheitsschuhe zu ernsthaften Verletzungen führen, und Sie wissen ja sicherlich, wie wenig Blut im Wasser sein muss, damit die Haie es riechen können.“

„Dann erteile ich ihnen jetzt eine Weisung: Diese Maßnahme ist ganz und gar nicht angemessen. Ich glaube Sie merken nicht, wann Sie zu weit gehen. Sie sollten sich wirklich professionelle Hilfe suchen, mir hat das auch geholfen. Aber bitte lassen Sie mich jetzt in Ruhe. Einen schönen Abend noch.“

„Na gut. Ich will ja Ihre Belastung nicht noch erhöhen. Sicher können wir einen anderen Termin für die Begehung Ihres Heimarbeitsplatzes finden, der zu einer für Sie günstigeren Zeit liegt. Ihnen auch einen schönen Abend. Haben die Griffe, mit denen Sie Ihre Fenster verriegeln, eigentlich Schlösser?“

Fensterschlösser im dritten Stock? Natürlich hat Jack keine. Da müsste ein Einbrecher schon sehr blöd sein, zumal die Haustür die meiste Zeit aufgekeilt ist. Und die Wohnungstür bekommt man mit einem einfachen Pickset in weniger als 30 Sekunden auf, was Jack selbst schon mal versucht hat. Aber davon sagt er natürlich nichts, um keine weitere Diskussion zu provozieren.

„Ja natürlich haben die Schlösser. Und wenn hier wirklich jemand meine Wohnung begehen muss, klären Sie das bitte mit meinem Chef. Guten Abend!“

„Ihnen auch!“

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