What Rough Beast, Zug 5


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Ich will euch keine falsche Hoffnung machen, aber ich denke, nächstes Mal ist es so weit.

Man will das ja auch nicht überstürzen, mit so einer Apokalypse. Macht man da nur einen einzigen kleinen Fehler, kann ganz schnell alles kaputt gehen. Und das will ja nun wirklich niemand, oder?

Melanie

„Sie haben den Notruf 112 gewählt, was ist Ihr Notfall?“
[Fun Fact: Was die tatsächlich sagen, wenn man sie anruft, ist – zumindest für mich – nicht mit vertretbarem Aufwand googlebar, und ich wollte es nicht tatsächlich ausprobieren, auch wenn ich ernsthaft darüber nachgedacht habe.]

Melanie nennt ihren Namen und ihre Adresse.
„Hier ist ein Mann im Haus, den ich hereingelassen habe, weil er mir glaubwürdig vermittelt hat, er sei irgendeine Art von Agent und es würden schlimme Dinge passieren, wenn ich ihn nicht reinlasse – außerdem hatte sofort einen Fuß in der Tür!
Jetzt hat er sich im Zimmer meiner Mitbewohnerin verschanzt. Er hat mir eben noch einmal vage gedroht. Er behauptet, er heiße Spiridon und hat einen osteuropäischen Akzent. Was mach ich denn jetzt? Können sie jemanden vorbeischicken?“

„Natürlich, ich informiere gleich eine Streife, aber können Sie bitte die Situation noch näher erläutern? Sie sagten, er habe sich verschanzt. Was meinen Sie damit? Hat er Geiseln genommen? Werden Sie jetzt gerade bedroht?“
Nachdem Melanie die Lage etwas genauer erklärt hat, versichert der Mitarbeiter des Notrufes ihr, dass in kurzer Zeit jemand bei ihr sein wird, dass es aber rund 20 Minuten dauern kann, weil gerade keine Streife in der Nähe ist. Er bietet ihr an, so lange mit ihr am Telefon zu bleiben, falls sie das vorzieht.

„Danke. Herr Spiridon hat angedeutet, dass er hier weg wäre, bis die Polizei ankommt, falls sie riefe. Ich habe das jetzt leise gemacht, aber es würde ihn sicher nicht völlig überraschen Es wäre also wichtig, dass Sie unauffällig hier ankommen. Zum Glück ist das Zimmer, in dem er sich aufhält, von der Straße weg.

Ich fühle mich aber grundsätzlich akut nicht in Gefahr und würde vielleicht eher weiter das Zimmer im Auge behalten.“

„Ich verstehe. Ich gebe das an die Kollegen weiter. Seien Sie aber bitte vorsichtig und versuchen, ihn nicht zu provozieren. Wenn die Person entkommt, können wir mit einer Beschreibung trotzdem nach ihr fahnden. Es lohnt sich also nicht, ein Risiko einzugehen.“

Melanie bedankt sich und legt auf.

Sie macht die Küchentür wieder weiter auf, sodass sie die Treppe und den Flur gut im Blick hat, und auch ein bisschen aus dem Fenster auf die Straße sehen kann, und verbringt die nächsten 20 Minuten damit, nervös einen Scone nach dem anderen in sich reinzustopfen.

Es dauert genau 17 Minuten, bis sie durch das Fenster zwei blau Uniformierte auf die Tür zu kommen sieht. Um Spiridon nicht zu alarmieren, öffnet sie ihnen, bevor sie klopfen müssen. Beide nicken ihr zur Begrüßung zu und murmeln „Guten Tag“, dann fragt eine von ihnen leise: „Ist er noch in dem Zimmer? Wie schätzen Sie die Bedrohung ein? Ist er bewaffnet?“

Melanie zuckt mit den Achseln.
„Er hat das Zimmer zumindest nicht durch die Zimmertür verlassen. Ich habe keine Waffe gesehen und er hat keine explizit erwähnt, aber glaubwürdig den Eindruck vermittelt, sich in einer Kampfsituation zu helfen zu wissen. Ich wäre sehr vorsichtig an Ihrer Stelle.“

Katharina
Das geht ganz problemlos. Der Hund setzt sich geduldig vor ihre Tür und versucht nicht einmal, ihr zu folgen.

In ihrer Wohnung angekommen, atmet Katharina erst mal durch. Das war… merkwürdig. Sie wäscht sich gründlich die Hände und begutachtet dann in Ruhe erst einmal ihr Handy. Abgesehen von dem Sprung im Glas scheint alles noch zu funktionieren, aber der Anblick stört sie erheblich. Das kann man doch hoffentlich reparieren, sie weiß nur nicht so recht, wo. Aber einer ihrer Nachhilfeschüler kann ihr da bestimmt weiterhelfen. Apropos… Genau. Sie wollte vorher noch mittagessen. Katharina schaltet das Radio ein und macht sich ans Kochen, während sie mit halbem Ohr den Nachrichten lauscht.

Als sie vom Radio zurück zum Herd gehen will, stolpert sie beinahe über den Hund, der auf ihrem Küchenboden sitzt und freundlich zu ihr auf hechelt.

Katharina starrt fassungslos das Tier an. Sie ist sich absolut, einhundertprozentig sicher, dass er ihr nicht ins Treppenhaus gefolgt ist, geschweige denn in die Wohnung. Also kann er gar nicht hier sein. Sie halluziniert. Auch das noch.

Frida
Senkrechte Falten entstehen zwischen Brigittes Augenbrauen.
„Frida, musst du wirklich immer noch das Haar in der Suppe suchen, oder die Feder meinetwegen? Das Mädchen freut sich, Teryaki hat ein warmes, liebendes Zuhause, und wenn dann die Toten sich erheben und es Säure und Schwefel regnet, ist doch eh alles egal!“

Frida überlegt, ob sie Brigitte einen kleinen Vortrag über Tierschutzrecht und -Richtlinien und Vermittlungspraxis des Tierheims Köln Dellbrück halten soll, entschließt sich dann aber dagegen: „Liebe Brigitte, wenn Du halbtote Hühner in die Hände von Minderjährigen vermittelst und das für ein gute Idee hältst, dann unterstütze ich Dich natürlich kollegial. Tierschutzrecht, Schmierschutzrecht, nicht wahr? Aber mal was anderes: Wie kommst Du denn nun auf Säure und Schwefel. Die gute Golda hat nicht etwa etwas diesbezügliches erwähnt, Liebelein?“

Brigitte nickt.
„Doch, doch hat sie, das kommt alles ganz bald, und dann ist eh egal. Außerdem glaub ich auch gar nicht, dass Teryaki richtig krank war.“

„Oh, ist das alles sinnlos, selbst ohne Golda, ihren M’ashed P’otatoe und deren Weltuntergang“, sagt Frida zu sich selber und zu Brigitte: „Nee, nee, haste richtig gemacht, die Flügelruptur war bestimmt psychosomatisch.“

„Sag ich doch“:
Brigitte nickt zufrieden und geht zurück in ihr Büro.

Frida schaut Brigitte hinterher. Schaut in ihre Sekttasse, nimmt noch einen Schluck. Schaut zu Ferdi, der immer noch versonnen an die Decke starrt und sagt laut:“Na, dann mal frisch ans Tagwerk.“ Sie beginnt mit den Tierfutterbestellungen und absolviert einen ganz normalen Arbeitstag. Im Hinterkopf hat sie dabei, wie einen transparenten Filter, der die ganze Zeit da ist, aber das eigentliche Gescheheh nicht verdeckt, das klare Bewusstsein, dass nichts mehr sein wird wie vorher.
Abends geht sie nach Hause, macht sich einen Tee und guckt, wie jeden Tag die Nachrichten.

Desmond
Meiserling dimmt sein Lächeln ein bisschen, und seine Brauen heben sich fragend.
„Sind Sie sicher?“
Als er sieht, dass die Entscheidung getroffen ist, neigt er den Kopf zur Seite, zuckt die Schultern, zieht eine Karte aus der Brusttasche seines Hemdes und schlüpft in einer beinahe schon irritierend gewandten Bewegung an Janeway vorbei – war da überhaupt so viel Platz zur Tür hin? Also … Natürlich, muss ja. Aber …, öffnet die Tür, tritt ein und winkt Janeway strahlend an sich vorbei wie der stolze Gastgeber, der er ist.
„Fühlen Sie sich wie zu Hause, ich schaue nur schnell, dass ich Ihre Reklamation vielleicht doch direkt abstellen kann, wenn Sie lieber nicht umziehen möchten. Ist sicher kein großes Problem, und mit ein bisschen Geschick und dem richtigen Werkzeug wird dann alles wie neu. Selbstverständlich geht der gesamte Inhalt der Minibar auf Kosten des Hauses, als kleine Geste im Gegenzug zu Ihrer großzügigen Bereitschaft, trotz allem in diesem Zimmer zu bleiben.“ Er plappert fröhlich weiter, während er im Badezimmer verschwindet und die Tür hinter sich schließt. Etwas gedämpft hört Janeway ihn weiter reden: „Wir wissen so etwas wirklich zu schätzen.“ Ein lautes Hämmern beginnt. „Die meisten Gäste wären nicht so“ Ein metallisches Kreischen. „… nervenstark. Also vielen Dank!“
Irgendetwas zersplittert hinter der Tür.

„Alles in Ordnung bei Ihnen?“

„Ja, bestens!“
Noch ein zweites Kreischen, das … irgendwie weniger metallisch klingt, dann ein irgendwie nasses Schlaggeräusch, und noch eins, dann Stille, und wenige Sekunden später öffnet Meiserling die Tür, schiebt sich so hindurch, dass Desmond nicht sehen kann, was dahinter ist, und schließt sie schnell wieder.
Ist das da ein kleiner hellroter Sprenkel auf seiner Nase? Und auf seiner Stirn? Und auf dem rechten Handrücken…?
„Am besten warten Sie noch kurz, bis Sie das Bad betreten. Die Dekontamination ist noch nicht ganz abgeschlossen, aber schon in wenigen Minuten sollte alles bereit sein für das nächste Op… Gast meinte ich, pardon, weiß gar nicht, was hab ich gesagt, also Gast habe ich auf jeden Fall gemeint schönen Abend noch Herr Sisko und alles Gute!“
Er verlässt das Hotelzimmer und schließt hinter sich die Tür.

Janeway schaut erst auf die Zimmertür, durch die Meiserling eben verschwunden ist, dann auf die Badezimmertür. Er schüttelt den Kopf und lässt sich schließlich aufs Bett fallen. Da spürt er wieder die Mappe mit den Unterlagen in seiner Innentasche. Er holt sie heraus und wirft sie in Richtung seines Koffers.
Er beschließt schlafen zu gehen und bis zu seiner Abreise am nächsten Vormittag nicht mehr das Bad zu benutzen.

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