Yanis (31)


Schwierige Gespräche über Turniere, Lügen, und Linsenpfanne.

Viel Spaß!

Was bisher geschah
Im ersten Kapitel haben wir die Shiu’Hzim Yanis kennengelernt und mit ihr ein ärgerliches Missgeschick erlebt, das sie in die Hände einer Heilerin fallen ließ.
Im zweiten Kapitel wird Laia bei einem Diebstahl ertappt und flieht vor den Wachen zu ihrem*r Freund*in Aki.
Im dritten Kapitel setzt Yanis ihre Mission fort, kehrt in ihre Heimatburg zurück und wird nicht sehr freundlich empfangen.
Im 4. Kapitel durften wir Akis Sphärenverleihungszeremonie beiwohnen, und sier erlebte eine kleine Enttäuschung.
Im 5. Kapitel hat Icara Yanis einen sehr bösen Streich gespielt. Und Yanis hat daraufhin … naja, vielleicht nicht mal unbedingt überreagiert, aber auch nicht besonders geschickt jedenfalls.
Im 6. Kapitel will Laia unbedingt Akis Verleihungszeremonie miterleben und versucht deshalb, in den Großen Saal zu klettern.
Im 7. Kapitel flieht Yanis aus der Burg und begegnet zum Schluss noch mal einer alten Bekannten.
Im 8. Kapitel plaudern Aki, Laia und Akis Väter, während sich bei Aki zu Hause Unheil anbahnt.
Im 9. Kapitel finden zwei Kinder beim Spielen an einem Bach eine am Ufer schlafende Yanis.
Im 10. Kapitel lernen wir Narubolan von Orenin kennen (Er hat sich den Namen nicht ausgesucht), Laia fährt mit seiner Familie Kutsche, und Yanis erreicht eine Farm und bittet um Unterkunft.
Im 11. Kapitel erklärt Aki Laia die Lage, Narubolan isst zu Abend, und Yanis erwacht in einer Scheune.
Im 12. Kapitel kehrt Yanis zu Ikrezia zurück und kann sich mit deren Hilfe vor ihren Häscherinnen verstecken, zahlkt aber dafür einen hohen Preis. Laia versucht vergeblich, ein Geschenk von Aki zu verkaufen und trifft dabei … eine Person wieder, die ihr schon mal begegnet ist. Yanis. Die Person ist Yanis.
Im 13. Kapitel sehen wir im Rückblick, wie Janis über Nacht ausgeraubt wird und dann einen Weg in die Stadt findet.
Im 14. Kapitel erklärt Aki sieren Plan sieren Vätern (Er kommt nicht so gut an.), und Yanis findet, gleichsam als Rückblende, Laia wieder.
Im 15. Kapitel fahren Janis und Leier gemeinsam mit der Kutsche zu dem Schloss der Barone und führen ein ziemlich missglücktes Gespräch.
Im 16. Kapitel kündigt Laia Aki Yanis an (Grammatik, sie ist manchmal nicht so besonders förderlich für die Verständlichkeit, aber ich lass das so stehen, weil ichs gerade lustig finde.), aber Yanis flieht, weil sie Laia nicht traut.
Im 17. Kapitel kommt Yanis in Lichternach an, kämpft gegen eine Wache am Stadttor und wird deshalb öffentlich ausgepeitscht. Yanis und Aki befreien sie.
Im 18. Kapitel heilt Aki Yanis und heuert sie für sieren Plan an.
Im 19. Kapitel erreichen die drei den Sitz der Freifrau von Berleningen, Aki überzeugt sie, ihnen zu helfen, und Yanis und Laia führen ein für beide Seiten etwas peinliches Gespräch
Im 20. Kapitel schleicht Yanis sich aus dem Bett, um besagtes Gespräch nicht aufgreifen zu müssen, begegnet im Garten Aki, und plant mit ihm gemeinsam schwierige Details sieres Plans.
Im 21. Kapitel erwacht Laia, ertappt die Gruppe von Shiu’Hzim um Goma, die Yanis festnehmen wollen, und warnt Aki und Yanis vor ihnen.
Im 22. Kapitel zieht Yanis Akis ambitionierten Fluchtplan durch, scheinbar zunächst mit Erfolg, aber Icara traut dem Frieden nicht und weigert sich, die Suche abzubrechen.
Im 23. Kapitel prügelt Icara sich mit einer Gruppe von Abenteurer*innen in einem Gasthaus.
Im 24. Kapitel meldet Yanis sich für das Turnier an, muss danach ihre Angst vor dem Feuer überwinden, um sich in die Schmiede zu wagen, nimmt dafür ihre Pastillen zu Hilfe und hat deshalb eine etwas peinliche Begegnung mit Laia, die daraufhin Aki überr… äh, überzeugt, schon mal ohne Yanis die Lage im Schloss zu erkunden.
Im 25. Kapitel dringt Laia mit Akis Hilfe in das Schloss der Gräfin ein, wird aber erwischt.
Im 26. Kapitel erwacht Yanis und stellt erschrocken fest, dass sie den Helm vergessen hat, wähend Icara in das Schloss der Gräfin eindringt und sie beim Frühstücken stört.
Im 27. Kapitel lernen wir mal die unfreiwilligen Gästeunterkünfte in Schloss Kelthofen näher kennen, Yanis wird von den Abenteurer*innen angesprochen, die Icara verprügelt hat, und die Gräfin redet mit Laia.
Im 28. Kapitel führt Yanis auf dem Weg zum Turnier das Gespräch mit den Abenteurer*innen zu Ende, die sie anheuern wollen, und Laia bricht vom Schloss auf, um Yanis in die Falle der Gräfin zu locken. Dabei trifft sie in Yanis‘ Zimmer im Gasthaus eine*n Kolleg*in der beiden Abenteurer*innen.
Im 29. Kapitel kommt Yanis wieder bei der Person hinter dem Schreibtisch an, um am Turnier teilzunehmen. Sie wird in einen kleinen Raum geschickt, um sich vorzubereiten und erfährt von einem*r Knapp*in, dass eine Zeremonie geplant ist, an der sie ganz sicher nicht teilnehmen wird. Sie nimmt das nicht so gut auf. Wenig später trifft Laia mit Srechz ein.
Im 30. Kapitel vertreibt Yanis Srechz und bricht dann mit Laia zusammen zum Schloss auf.
Was heute geschieht

Das Turnier zog offenbar ein erhebliches Publikum an. Laia und Yanis musste sich streckenweise durch die Menschenmassen schieben, die sich in den Straßen zwischen jonglierenden Gaukler*innen, tanzenden Bären, Lindwürmern und Riesenhörnchen, verschiedensten laut angepriesenen Köstlichkeiten angeblich aus fernen Ländern und natürlich Waffen- und Souvenir-Händler*innen tummelten.
Zum Glück bot die hochgewachsene breitschultrige Kriegerin mit ihrer Kettenrüstung einen imposanten Anblick, der die Menge oft ohne Widerstand ein Stück zurückweichen und Raum geben ließ, wenn sie sich einen Weg zu bahnen versuchten.
„Aber warum meintest du denn jetzt eigentlich, dass du nicht am Turnier teilnehmen kannst?“, fragte Laia.
„Jaaaaa“, antwortete die Kriegerin. „Das … Ach, nichts. Ich war nur kurz nervös und unsicher und … wegen der vielen Waffen und wegen des Schlachtrosses. Di*er Knapp*in hat so viele Wettkämpfe aufgezählt, für die ich einfach nicht ausgerüstet war. Das war es nur. Ich meinte nur … falls dier Baron*in die Ausrüstung nicht besorgen kann. Ich hatte mit ihm schon mal über das Pferd gesprochen, und … Naja, jedenfalls hätten wir das bestimmt irgendwie hinbekommen.“
Laia sah mit zusammengekniffenen Augen zu dem Kettengewirk auf, hinter dem sich ihr Gesicht verbarg, solange es in dem Gedränge ging.
„Du musst das mit dem Lügen wirklich üben. Das ist ja schlimm.“
„Ich hab doch gar nicht …“, antwortete die Kriegerin, aber falls sie noch mehr sagte, wurde sie ab diesem Punkt zu leise, um über dem Gemurmel der Menge und den Schreien der Marketender*innen noch hörbar zu sein.
Laia lächelte und nickte.
Kein Grund, jetzt mit sinnlosen Vorwürfen die eine Person zu provozieren, von der so ziemlich alles abhing, was Laia und Aki geplant hatten.
Ihr wurde ein bisschen warm unter dem Kragen, als sie darüber nachdachte, was sie schon mit diesem gar nicht so ernst gemeinten Hinweis riskiert hatte.
Die Kriegerin war offensichtlich gerade nicht in der besten Laune, und wenn sie jetzt entschied, einfach genug zu haben und wegzugehen, dann konnte Laia sie nicht aufhalten, und die Gräfin würde Aki niemals freilassen. Vielleicht würden sie sogar beide einfach sterben.
Zum Glück schien die Kriegerin doch noch ein bisschen Geduld zu haben.
Laia nahm sich vor, sich von jetzt an besser zusammenzureißen.

***************************

„Ich hab doch gar nicht gelogen“, murmelte Yanis, mit jedem Wort ein bisschen kleinlauter.
‚Oh alle Götter du Schaf du Kuh du Ochse du unfassbar unfähige Versagerin!‘
Yanis schaffte es gerade noch, nicht vor Wut zu schreien, auf und ab zu springen und um sich zu schlagen.
‚Was glaubst du denn, was passiert, wenn du sie nicht nur anlügst, sondern es auch noch auf so offensichtliche Weise machst, dass sie es nicht mal hinkriegt, aus Höflichkeit so zu tun, als würde sie dir glauben? Was glaubst du, was du damit besser machst?‘
Dabei wäre es so einfach gewesen.
Sogar ohne zu wissen, wie sie es erklären sollte, hätte sie einfach sagen können, dass sie noch nicht so weit war, es zu erklären. Das wäre immer noch besser gewesen.
Und sie hatte danach nicht mal wirklich sagen wollen, dass sie nicht gelogen hatte.
Sie hatte das ganz anders gemeint.
Sie hatte mehr so etwas gemeint wie ‚Ja, hast Recht, das hat so nicht gestimmt, aber ich habs nicht gesagt, um dich zu täuschen, ich habs nur irgendwie nicht geschafft, wirklich zu sagen, was ich denke, und wenn du sagst, ich hätte gelogen, klingt das so, als wollte ich dich absichtlich verschaukeln, und das stimmt nicht, ich will so gerne mit dir reden, über alles, und ich will, dass du mich verstehst und‘ OH HIMMEL sogar in ihren idealisierten Gesprächen in ihren Gedanken war sie peinlich und würdelos, wie hatte sie jemals gedacht, sie könnte eine Heldin werden?
Und jetzt war der Moment vorbei.
Sie hätte es direkt danach sogar noch sagen können.
Aber jetzt nicht mehr.
Es jetzt noch zu sagen, wäre völlig unsinnig.
Oder?
Es war so furchtbar, wie sie zögerte und zweifelte, während es mit jedem Herzschlag Zögern und Zweifeln schwerer wurde, zu tun, wovon sie doch eigentlich wusste, dass sie es wollte.
Aber sie konnte jetzt hier mitten auf der Straße nicht so ein Gespräch anfangen. Sie konnte nicht jetzt hier vor all diesen Passant*innen und Schausteller*innen Händler*innen zusammenbrechen, während sie auf dem Weg zu einer Gräfin waren, die die Agentin und dier Magier*in offenbar irgendwie überredet hatten, sich für Yanis einzusetzen. Was würde Laia von ihr denken?
Sie war nicht stolz darauf, aber alles, was Yanis noch hatte, war das Vertrauen dieser beiden Leute, die offenbar sogar bereit waren, ihr zu helfen. und sie hatte den Verdacht, dass es nicht mehr besonders viel Vertrauen sein konnte.
Nicht nach ihrem Auftritt gestern Abend.
Und sie hatte ihnen noch nicht mal erzählt, dass sie sich das Geld für den Helm von zwei Mitgliedern einer kriminellen Vereinigung geliehen hatte.
Sie konnte froh sein, dass die Agentin sie noch nicht einfach rausgeworfen hatte.
Zum Glück schien sie noch ein bisschen Geduld übrig zu haben.
Yanis nahm sich vor, sich von jetzt an besser zusammenzureißen.

***************************

Laia konnte besser lügen als die Kriegerin, auch wenn das wirklich nicht viel hieß. Aber höfliche leichte Gespräche zur Auflockerung angespannter Situationen waren auch ihre Stärke nicht.
Dennoch hatte sie das Gefühl, den Rest des Weges nicht einfach schweigend zurücklegen zu können, und suchte deshalb ein möglichst unverfängliches Thema.
Ihr fiel dabei ein, dass die Hzim jetzt eigentlich keinen Grund mehr hatte, ihr Gesicht immer noch zu verbergen. Aber sie hatte Angst, dass es wie Besserwisserei oder Tadel rüberkommen würde, wenn sie es jetzt ansprach, deswegen versuchte sie es zuerst mit etwas anderem.
„Was … Was isst du eigentlich am liebsten … Yanis?“, fragte sie, und schob noch ein verlegenes Lachen nach, weil es sich dann doch merkwürdig anfühlte, den Namen der Kriegerin so ans Satzende zu hängen. Sie hatte eigentlich auf einen anderen Effekt gehofft, und der Satz hatte sich ohne irgendwie noch zu … nackt angefühlt, aber dann hatte sie den Namen ausgesprochen, und das war jetzt auch eher gezwungen als entspannt.
‚Verdammt Laia, du bist zu unsicher, deshalb denkst du zu viel drüber nach, und versuchst es zu sehr, und so kann das ja nichts werden. Atmen, entspannen, einfach mit ihr reden wie mit so einem Menschen, an dem nicht dein und Akis Leben hängt, der dich nicht einfach aufheben und in zwei Hälften reißen könnte. Das muss doch gehen.‘
„Was ich am liebsten esse?“, antwortete die Kriegerin, als hätte Laia sie gerade gefragt, ob sie einen Lieblingselefanten hatte.
Verflixt, das war doch nun wirklich kein abwegiges Thema für belanglose Unterhaltungen, oder?
„Ja. Mir ist aufgefallen, dass ich keine Ahnung habe, was du magst. Die Linsenpfanne in Akis Stadtvilla schien dir zu schmecken. Aber … ich vermute, du hattest auch einfach Hunger? Deshalb bin ich mir nicht so sicher …“ Sie verstummte. Die Erklärung hatte es nicht unbedingt besser gemacht, und manchmal war es besser, einen Gedanken nicht zu Ende auszusprechen, wenn er nichts Gutes mehr beizutragen hatte.
Es wurde nicht einfacher dadurch, dass sie den Gesichtsausdruck der Kriegerin hinter dem verflixten Kettending nicht einmal erahnen konnte. Ob sie ihr vielleicht doch sagen sollte …?
„Die Linsenpfanne war wirklich gut“, antwortete Yanis.
Na, immerhin.
Und sie führte ihre Antwort sogar noch weiter aus: „Ich würde aber nicht sagen, dass ich Linsen allgemein am liebsten esse. Ich … Ich weiß gar nicht so richtig, glaub ich. Ich mochte in Yeshaga sogar den Haferbrei ganz gerne? Mit Butter und Salz.“
Laia war in Versuchung, eine freundlich-neckische Bemerkung über diese eigenwillige Kombination zu machen, entschied sich aber im letzten Moment dagegen und drehte ihr Lachen noch in ein unzweideutig freundliches.
„Keine Ahnung, ob ich da einem Klischee auf den Leim gehe, aber ich stelle mir vor, dass du da öfter Gelegenheit hattest, dich zu freuen?“
Vielleicht erklang da ein Antwortlachen unter dem Helm.
„Haferbrei gab es oft. Aber ich hatte nicht immer genug Butter und Salz dazu. Und Icara hat sich immer drüber lustig gemacht, deshalb wollte ich nicht extra aufstehen, um mehr zu holen, weil …“ Die Kriegerin seufzte. „Es war schon eine ganze Weile diese Art Freundschaft, und ich habs eigentlich bis zum Schluss nicht mal richtig gemerkt? Wie kann denn das passieren?“
Laia blinzelte unsicher.
Was war aus ihrer harmlosen kleinen Plauderei über Haferbrei geworden? Die hatte doch ganz vielversprechend angefangen.
„Icara war eine Freundin von dir?“, fragte sie, erleichtert über eine Möglichkeit, das Gespräch fortzuführen, ohne sich konkret inhaltlich dazu äußern zu müssen.
Die Kriegerin nickte.
„Eine sehr … gute Freundin. Wir standen uns sehr nahe. Sie war eine der Shiu’Hzim, die mich zum Fluss gejagt haben.“
„Oh“, machte Laia, und fragte sich, ob das jetzt ein sehr ungünstiger Zeitpunkt wäre, sowas zu fragen wie: ‚… und außer Haferbrei? Sonst noch was?‘

***************************

‚Die Linsenpfanne war wirklich gut.‘ Alle Götter, hatte sie das wirklich gesagt?
Und dann das mit Icara.
Was hatte sie sich denn dabei gedacht?
Die Agentin dier Magier*in wusste nicht mal, wer Icara war, und Yanis fing mit ihr ein Gespräch über die Beziehung zu ihr an, nur weil sie sie nach ihrem Lieblingsessen gefragt hatte, die arme.
Und … Haferbrei?
Haferbrei?
Was war denn eigentlich mit ihr los, dass sie dachte, das wäre eine akzeptable Antwort, wenn die Person, in die sie jetzt gerade in der dunkelsten Zeit ihres Lebens verschossen war und die eigentlich, wenn sie sich mal erinnerte, der einzige Mensch auf der Welt war, der je wirklich freundlich zu ihr gewesen war, sie fragte, was sie gerne aß?
HAFERBREI?
Yanis hatte keine besonderen Chancen mehr, die größte Heldin in der Geschichte des Ordens zu werden, aber auf einen Platz auf der Treppe der stoffeligsten und unbeholfensten Held*innen aller Zeiten hatte sie vielleicht noch Aussicht.
Haferbrei …
„Tut mir leid“, sagte sie. „Jetzt hab ich uns ganz von deiner Frage weggebracht. Wollte dich nicht vollheulen, entschuldige bitte.“
„Ach, du hast doch nicht …“
„Schon gut!“
‚Musstest du sie jetzt unbedingt so rüde abschneiden? Egal, zu spät, jetzt ist es passiert. Weiter. Dir wird doch wohl irgendwas Interessantes einfallen, was du gerne isst. Irgendwas. Komm schon. Was anderes als shiuverdammter HAFERBREI, um Himmels Willen, versuchs einfach, du schaffst das!‘
„Wir hatten mal ein Festessen nach dem Sieg in Hüstoia. Da gab es … so ein Gemüse, ich hab den Namen vergessen, aber es war so länglich und gelb, und die Köch*innen hatten es mit irgendeinem Käse gefüllt. Das war sehr lecker. In dem Käse war noch irgendein Getreide, glaube ich, aber …“
‚YANIS! Erzählst du ihr gerade im Ernst von einem Gericht, bei dem du von keinem einzigen Bestandteil mehr weißt, was er war? Willst du, dass sie dich für den drögsten Menschen auf der ganzen Welt hält, ist es das? Willst du, dass sie dich gleich hier stehen lässt, weil sie endlich einsieht, dass wirklich keine Hoffnung für dich besteht?‘
„Klingt wirklich köstlich!“, sagte die Agentin.
Yanis lachte.
„Du lügst jedenfalls viel besser als ich!“
Sie sagte es, so nett sie konnte, und zog ihre Mundwinkel dabei ganz weit nach oben, damit das Lächeln wirklich nicht überhören war, aber sie fragt sich natürlich trotzdem sofort, ob das jetzt …
Aber zu ihrer Erleichterung lachte Laia.
„Ich hab doch gar nicht …“

***************************

„Also …“, begann Aki unsicher, „Ihr seid … reanimiert? Oder täusche ich mich? Ist es in Ordnung, wenn ich frage? Ich will nicht zudringlich sein, aber Ihr versteht sicherlich, professionelles Interesse. Und ich habe den Verdacht, dass Eure … Hexis keine magischen Ursachen hat, auf Basis Eures Auftretens gegenüber der Shiu’Hzim. Liege ich da richtig?“
Erusim Jachme schaute Aki mit einem Ausdruck an, der sich mit viel Wohlwollen als distanziertes Interesse beschreiben ließe, antwortete aber nicht.
Die Shiu’Hzim, die Jachme gegenüber stand, stieß ein hämisches Lachen aus.
„Was auch immer eine Hexis ist, und wehe, du erklärst es mir jetzt, wenn diese Figur da nicht dämonisch ist, will ich eine Tennu-Priesterin sein.“
Akis Ketten klirrten leise, als sier sich zu ihr hin drehte, und sier Metallkragen begann, an einer etwas anderen Stelle zu zwicken.
„Habt Ihr Erfahrungen mit dämonischem Einfluss?“, fragte sier die Kriegerin.
Sie zuckte die Schultern und biss in die Melasine, die sie in der Rechten hielt. Saft lief über ihre Finger und ihr Kinn. Sie grinste ihn an und leckte sich lasziv die Lippen.
„Nicht dein Fall?“, fragte sie eher amüsiert als beleidigt, als Aki nur mit einem etwas peinlich berührten ratlos-höflichen Lächeln reagierte.
Sier zuckte leise klirrend die Schultern und verzog das Gesicht, als sich dabei ein Stück Haut zwischen Kragen und Ketten verklemmte.
Die Kriegerin verzog den Mund und neigte den Kopf zur Seite in einem ‚Na gut, dann eben nicht‘-Ausdruck und biss noch einmal ab, diesmal weniger ostentativ.
„Jednfalsch gehört das Ding ekschorschiert“, nuschelte sie um einen Mund voll Fruchtfleisch herum, schluckte, und fuhr fort: „Und ich würds auch machen, aber … Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit der Abmachung, die ich jetzt habe. Und die Gräfin scheint ihre Hausleiche behalten zu wollen. Vielleicht später.“
Sie fuhr mit einem Finger unter ihrem Kinn entlang, steckte ihn sich in den Mund und lutschte daran.
„Du stehst einfach nicht auf heilige Kriegerinnen, kann das sein?“, fragte sie Aki, als sier wieder nur etwas betreten dreinschaute.
„Ist nichts Persönliches“, antwortete sier. „Vielleicht liegts auch mehr an der Situation. Ich wäre aufgeschlossen, einen erneuten Versuch in einem entspannteren, romantischere Umfeld zu unternehmen? Wenn Ihr mich kurz losbinden würdet, würde ich Euch mit dem größten Vergnügen ausführen und würde auch die Rechnung …“
„Genug geschäkert“, unterbrach sien die Gräfin. „Wenn Ihr klebrige Flecken gleich welcher Art in meinem Teesalon hinterlasst, dann wischt Ihr sie auch wieder auf.“
Die Kriegerin grinste ein bisschen zögerlich.
„War das jetzt gerade ein Scherz über-“
„Und wenn Ihr meine Komentur beschädigt“, fuhr die Gräfin unberührt fort, „erwarte ich, dass Ihr den Schaden ersetzt. Eure Mutter dürfte davon nicht sehr erfreut sein. Gutes Personal ist rar und teuer.“
„Noch finde ich’s lustig“, erwiderte die Shiu’Hzim, „Aber vergesst nicht die Grenzen Eurer Machtposition. Eure Hausleiche wird mir nicht nahe genug kommen, um Shius Gunst zu spüren, und die restlichen Bauerntrampel, die Ihr in Rüstungen gesteckt habt, können es gerne versuchen. Ihr redet mit einer Botin der Gottheit, vergesst das nicht.“
„Wir werden einfach beide unser Bestes tun, noch ein Stündchen auszuhalten, ohne unsere relativen Positionen zu vergessen“, erwiderte die Gräfin unbeeindruckt, aber auch mit einem auffälligen Mangel an Empörung oder Bedrohlichkeit.
Zum Glück blieb dafür weniger Gelegenheit, als sie erwartet hatte, denn die letzte Silbe des Satzes war noch nicht ganz verklungen, als die Tür sich öffnete und ein*e Domestik*in ankündigte:
„Laia Keftinger, Agentin der Baronie von Orenin, und Yanis von Yeshaga!“

***************************

Laia führte die Ordenskriegerin zum Schloss und durch das Tor.
Man mochte über die Gräfin und dieses untote Monstrum denken, was man wollte, sie schienen ihren Laden gut organisiert zu haben. Die Wachen wussten Bescheid und ließen sie ohne Fragen oder sonstige Verzögerung passieren, und eine der Wachpersonen begleitete sie sogar und führte sie in dem Salon, in dem ihr Schicksal auf sie wartete.

Lesegruppenfragen

  1. Wie fandet ihr die vielen Perspektivwechsel in dem Gespräch zwischen Laia und Yanis?
  2. Und den Dialog zwischen Aki und der Komentur, wie fandet ihr den?
  3. Ich fand es in dem Moment ganz lustig, dass Icara sich gegenüber Aki so ein bisschen lasziv verhält, um sien zu ärgern(?), aber es trägt natürlich ganz klar die Gefahr der Misogynie in sich, gerade wenn es jemand wie ich schreibt. Wie kam das bei euch an?
  4. Was denkt ihr, wie’s jetzt weitergeht?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s