Yanis (30)


Yay, runde Kapitelanzahl! Feiern wir das irgendwie? Keine Ahnung. Schreibts in die Kommentare!

Nein, ich weiß schon.

Sicherheitshalber, falls es doch jemand liest: CN Suizidgedanken

Trotzdem viel Spaß!

Was bisher geschah
Im ersten Kapitel haben wir die Shiu’Hzim Yanis kennengelernt und mit ihr ein ärgerliches Missgeschick erlebt, das sie in die Hände einer Heilerin fallen ließ.
Im zweiten Kapitel wird Laia bei einem Diebstahl ertappt und flieht vor den Wachen zu ihrem*r Freund*in Aki.
Im dritten Kapitel setzt Yanis ihre Mission fort, kehrt in ihre Heimatburg zurück und wird nicht sehr freundlich empfangen.
Im 4. Kapitel durften wir Akis Sphärenverleihungszeremonie beiwohnen, und sier erlebte eine kleine Enttäuschung.
Im 5. Kapitel hat Icara Yanis einen sehr bösen Streich gespielt. Und Yanis hat daraufhin … naja, vielleicht nicht mal unbedingt überreagiert, aber auch nicht besonders geschickt jedenfalls.
Im 6. Kapitel will Laia unbedingt Akis Verleihungszeremonie miterleben und versucht deshalb, in den Großen Saal zu klettern.
Im 7. Kapitel flieht Yanis aus der Burg und begegnet zum Schluss noch mal einer alten Bekannten.
Im 8. Kapitel plaudern Aki, Laia und Akis Väter, während sich bei Aki zu Hause Unheil anbahnt.
Im 9. Kapitel finden zwei Kinder beim Spielen an einem Bach eine am Ufer schlafende Yanis.
Im 10. Kapitel lernen wir Narubolan von Orenin kennen (Er hat sich den Namen nicht ausgesucht), Laia fährt mit seiner Familie Kutsche, und Yanis erreicht eine Farm und bittet um Unterkunft.
Im 11. Kapitel erklärt Aki Laia die Lage, Narubolan isst zu Abend, und Yanis erwacht in einer Scheune.
Im 12. Kapitel kehrt Yanis zu Ikrezia zurück und kann sich mit deren Hilfe vor ihren Häscherinnen verstecken, zahlkt aber dafür einen hohen Preis. Laia versucht vergeblich, ein Geschenk von Aki zu verkaufen und trifft dabei … eine Person wieder, die ihr schon mal begegnet ist. Yanis. Die Person ist Yanis.
Im 13. Kapitel sehen wir im Rückblick, wie Janis über Nacht ausgeraubt wird und dann einen Weg in die Stadt findet.
Im 14. Kapitel erklärt Aki sieren Plan sieren Vätern (Er kommt nicht so gut an.), und Yanis findet, gleichsam als Rückblende, Laia wieder.
Im 15. Kapitel fahren Janis und Leier gemeinsam mit der Kutsche zu dem Schloss der Barone und führen ein ziemlich missglücktes Gespräch.
Im 16. Kapitel kündigt Laia Aki Yanis an (Grammatik, sie ist manchmal nicht so besonders förderlich für die Verständlichkeit, aber ich lass das so stehen, weil ichs gerade lustig finde.), aber Yanis flieht, weil sie Laia nicht traut.
Im 17. Kapitel kommt Yanis in Lichternach an, kämpft gegen eine Wache am Stadttor und wird deshalb öffentlich ausgepeitscht. Yanis und Aki befreien sie.
Im 18. Kapitel heilt Aki Yanis und heuert sie für sieren Plan an.
Im 19. Kapitel erreichen die drei den Sitz der Freifrau von Berleningen, Aki überzeugt sie, ihnen zu helfen, und Yanis und Laia führen ein für beide Seiten etwas peinliches Gespräch
Im 20. Kapitel schleicht Yanis sich aus dem Bett, um besagtes Gespräch nicht aufgreifen zu müssen, begegnet im Garten Aki, und plant mit ihm gemeinsam schwierige Details sieres Plans.
Im 21. Kapitel erwacht Laia, ertappt die Gruppe von Shiu’Hzim um Goma, die Yanis festnehmen wollen, und warnt Aki und Yanis vor ihnen.
Im 22. Kapitel zieht Yanis Akis ambitionierten Fluchtplan durch, scheinbar zunächst mit Erfolg, aber Icara traut dem Frieden nicht und weigert sich, die Suche abzubrechen.
Im 23. Kapitel prügelt Icara sich mit einer Gruppe von Abenteurer*innen in einem Gasthaus.
Im 24. Kapitel meldet Yanis sich für das Turnier an, muss danach ihre Angst vor dem Feuer überwinden, um sich in die Schmiede zu wagen, nimmt dafür ihre Pastillen zu Hilfe und hat deshalb eine etwas peinliche Begegnung mit Laia, die daraufhin Aki überr… äh, überzeugt, schon mal ohne Yanis die Lage im Schloss zu erkunden.
Im 25. Kapitel dringt Laia mit Akis Hilfe in das Schloss der Gräfin ein, wird aber erwischt.
Im 26. Kapitel erwacht Yanis und stellt erschrocken fest, dass sie den Helm vergessen hat, wähend Icara in das Schloss der Gräfin eindringt und sie beim Frühstücken stört.
Im 27. Kapitel lernen wir mal die unfreiwilligen Gästeunterkünfte in Schloss Kelthofen näher kennen, Yanis wird von den Abenteurer*innen angesprochen, die Icara verprügelt hat, und die Gräfin redet mit Laia.
Im 28. Kapitel führt Yanis auf dem Weg zum Turnier das Gespräch mit den Abenteurer*innen zu Ende, die sie anheuern wollen, und Laia bricht vom Schloss auf, um Yanis in die Falle der Gräfin zu locken. Dabei trifft sie in Yanis‘ Zimmer im Gasthaus eine*n Kolleg*in der beiden Abenteurer*innen.
Im 29. Kapitel kommt Yanis wieder bei der Person hinter dem Schreibtisch an, um am Turnier teilzunehmen. Sie wird in einen kleinen Raum geschickt, um sich vorzubereiten und erfährt von einem*r Knapp*in, dass eine Zeremonie geplant ist, an der sie ganz sicher nicht teilnehmen wird. Sie nimmt das nicht so gut auf. Wenig später trifft Laia mit Srechz ein.
Was heute geschieht

„Nein!“, bellte Srechz sofort. „Keine Umarmung.“
Laia zuckte zusammen und blieb stocksteif in der Tür stehen. Sie hatte die Armbrust nicht vergessen.
Sie konnte Yanis‘ Mimik nicht deuten, weil das Gesicht der Kriegerin hinter der Kettenhaube verborgen war, aber die Kriegerin legte den Kopf etwas schief und Laia stellte sich zu ihrer Stimme eine gehobene Augenbraue vor.
„Wer … ist das?“
„Bisschen kompliziert zu erklären“, antwortete Laia. „Also … Kurzfassung: Diese andere Hzim, die dir folgt, hat offenbar ein paar Leute verprügelt, die zu einer Organisation gehören, die jetzt wiederum dich anheuern will, um -“
„Hat sie schon“, sagte Yanis überrascht.
„Wie jetzt, hat sie schon?“
„Zwei Freund*innen von deinem*r Freund*in sind si*er schon zuvorgekommen. Ich hab ihnen schon zugesagt, dass ich ihnen helfe.“
Laia drehte sich unsicher zu Srechz um.
„Und nun?“
„Wie hießen die beiden?“, fragte Srechz zurück.
Yanis lachte auf.
„Was weiß ich denn? Yatum und Holnar, oder so? Komm rein, dann können wir das genauer besprechen.
Srechz machte wieder diese gähnende Geste und blinzelte dreimal nacheinander mit si*eren Nickhäuten.
„Ich denke, ich ziehe es vor, hier draußen zu bleiben.“
„Bedroht si*er dich?“, fragte Yanis Laia.
Laia schaute wieder fragend zu Srechz. Das schien der Kriegerin als Antwort zu genügen.
Yanis stapfte zur Tür.
„Komm zurück, näher zu mir“, sagte Srechz zu Laia.
Sie tat es.
Srechz begann hinter ihr eine Bewegung – und hielt in ihr inne, als Yanis in der Tür stand und sagte:
„Heb die Armbrust noch einen Fingerbreit weiter und du verlierst die Hand. Ich habe heute wirklich keine Geduld mehr, also provozier mich nicht. Das hier“, sie klopfte auf die Scheide an ihrem Gürtel, „ist nur ein Turnierschwert, aber glaub mir ruhig, dass ich einen Weg finde, es in deinen Schädel zu bugsieren, wenn ich es drauf anlege.“
Laia hatte keine Ahnung, ob sie vor Angst zittern, erleichtert seufzen, oder hämisch grinsen sollte, weil Srechz sich die Situation offensichtlich anders vorgestellt hatte.
„Ich bin geübt im Umgang mit der Armbrust“, antwortete si*er nach kurzem Zögern. „Ich kann schnell genug einen Bolzen in den Rücken deiner Freund … bugsieren, wenn ich mich von dir bedroht fühle. Und ich fühle mich gerade ziemlich bedroht.“
„Ich würd’s nicht drauf ankommen lassen, wenn ich du wäre“, erwiderte Yanis, „Allein schon, weil du eh schon hast, was du wolltest. Ich werd’s machen. Ich kümmere mich um eure kleine Peinlichkeit. Ist alles schon besprochen. Deine zwei Mitverschwörer*innen, oder was ihr seid, sind schon wieder zufrieden abgezogen, mit allen Armen und Beinen intakt, ohne ein einziges Turnierschwert im Schädel. Sei wie deine zwei Mitverschwörer*innen.“
Laia wagte nicht mehr, sich zu Srechz umzudrehen und konnte deshalb si*ere Mimik nicht erkennen. Yanis trat noch zwei Schritte vor, die Hand auf dem Knauf des Turnierschwertes, den Blick fest auf Srechz‘ Hand.
„Hör auf mich“, sagte Yanis. „Du bist hier, weil du weißt, was ich bin. Ich bin sicher, dass du toll mit der Armbrust schießen kannst. Bestimmt kannst du auch noch ganz viele andere Dinge sehr gut. Was auch immer ihr macht in eurem Verein. Ich kann nur eine Sache. Du weißt das. Ich würd nicht auf mich hören, wenns darum geht, wie viel Schutzgeld für eine Kneipe angemessen ist oder wie viele Schafe ein*e Bäuer*in entbehren kann, oder so. Aber wenn die Frage ist, wie viele Finger ich dir in wie kurzer Zeit brechen kann oder wie schnell ich alle Bolzen, die du in dem Magazin hast, in deinen Körperöffnungen verschwinden lassen kann, dann solltest du mir unbedingt vertrauen.“
Laia hörte Srechz hinter sich atmen, hörte eine Bewegung und stellte sich für einen Bruchteil einer Sekunde auf schlimme Schmerzen ein – bis sie sah, wie Yanis Haltung sich subtil, aber sichtbar entspannte.
„Danke“, sagte Yanis sehr kühl und geschäftsmäßig, im selben Moment, in dem Laia erleichtert und erschöpft „Danke!“ seufzte.
Sie wusste nicht mal ganz genau, zu wem sie es sagte.

Di*er Schlagetot ließ die Hand sinken, und Yanis spürte zugleich eine seltsame Scham und eine große Genugtuung und Freude in sich aufsteigen.
Das war sehr gut gelaufen. Sie war sehr zufrieden mit ihrem Auftreten, hatte sich nach dem eher blamablen Einstieg mit den zerschlagenen Möbeln von ihrer besten Seite gezeigt und di*er Gegner*in hatte sich tatsächlich einschüchtern lassen. Yanis war alles andere als schlagfertig, aber diesmal fand sie, treffende Worte gefunden zu haben, und der Erfolg gab ihr Recht.
Laia war vorerst in Sicherheit. Und Shiu wusste, sie freute sich zurzeit über jedes Erfolgserlebnis, das sie kriegen konnte.
Andererseits war da die Scham, nicht nur weil Laia die Spuren ihres Wutausbruches gesehen hatte, sondern vor allem, weil ihr erster Gedanke im Angesicht der Gefahr daran gewesen war, dass das ihre Chance war, Laia zu zeigen, wie beeindruckend furchtlos und stark sie war. Dass das ihre Chance war, Laia zu retten. Dass Laia ihr gewiss dankbar sein musste, und erkennen … was sie an ihr haben könnte.
Und natürlich war da auch Unsicherheit, ob sie übertrieben hatte, und Laia vielleicht eher mit einem Gefühl von ‚Oah, warum spielt die sich so auf, ist das peinlich‘ zugeschaut hatte statt mit der Bewunderung, auf die Yanis insgeheim hoffte, und natürlich trug dieser Gedanke allein auch schon zu ihrer Scham bei, denn was gab es Beschämenderes, als auf Bewunderung zu hoffen?
‚Du bist hier, weil du weißt, was ich bin.‘ ‚… dann solltest du mir unbedingt vertrauen.‘
Wie gernegroß das wohl geklungen haben musste?
Und jetzt stand sie da, und di*er Schlagetot, Laya und di*er Knappin schauten sie an und warteten darauf, was sie als nächstes tun würde.
Sie überlegte ernsthaft, noch einmal die Umarmung vorzuschlagen, weil sie sie wirklich hätte gebrauchen können, aber sie wagte es nicht. Nicht vor den zwei Fremden, aber wenn sie ganz ehrlich vor sich selbst war, musste sie zugeben, dass sie wahrscheinlich den Mut auch dann nicht aufgebracht hätte, wenn sie mit Laia allein gewesen wäre.
Und das war doch eigentlich schon ihre Antwort auf die Frage, wie diese Situation in der Summe ausging: Großmäulig und furchtlos war sie, wenn andere in Gefahr waren und sie wusste, dass sie überlegen war. Aber wenn es wirklich um etwas ging, wenn sie wirklich verletzlich sein sollte, dann kniff sie.
War das der Grund, warum die Agentin des*r Baron*in nichts von ihr wissen wollte?
Yanis seufzte und beschloss, erst einmal nicht weiter in die Richtung zu denken. War keine gute Gelegenheit gerade.
„Nachdem wir das geklärt hätten“, sagte sie so fest und souverän, wie sie konnte, „Ich müsste einmal was mit dir besprechen, am besten unter vier Augen.“
Laia nickte.
„Kein Problem. Gleich hier drin?“
„Gerne.“
Die beiden schlossen die Tür hinter sich und ließen di*en Schlagetot mit nicht lesbarem Gesichtsausdruck und di*en Knapp*in mit vager Frustration und Ratlosigkeit davor zurück.
Yanis sagte: „Ich kann an dem Turnier nicht teilnehmen“, während gleichzeitig Laia sagte: „Du kannst an dem Turnier nicht teilnehmen.“
„Was?“, sagten beide gleichzeitig.
„Das muss aufhören, das ist furchtbar lächerlich“, sagte Laia.
Yanis nickte und zeigte auf sie.
„Du zuerst. Was meinst du, ich kann nicht teilnehmen?“
Laia schaute zu Boden und zuckte mit den Schultern.
„Nein, schon gut, fang du ruhig an. Ist es wegen dieser Organisation, oder warum meintest du …?“
„Ach, sag du ruhig erst mal, was du meintest“, widersprach Yanis, und fügte hinzu: „Immerhin arbeite ich ja für euch!“
Ihr Lächeln brachte teils eine freundlich-hoffnungsvolle Relativierung des in dem Satz enthaltenen hierarchischen Transaktionsverhältnis zum Ausdruck, teils den Stolz darauf, dass ihr das Argument eingefallen war.
„Ach …“, sagte Laia, schaute zu ihr auf und grinste. „Eigentlich sind wir doch fast Freund*innen, was?“
Jetzt wurde sogar Yanis fast ein bisschen misstrauisch.
„Wir brauchen dich im Schloss“, sagte Laia schließlich. „Wir haben mit der Gräfin gesprochen und eine Lösung gefunden. Aber du musst uns helfen.“
Yanis blinzelte Laia verunsichert an.
„Wie? Wenn ihr schon alles geklärt habt … Was kann ich denn dann noch tun?“
„Sie will deine Geschichte von dir hören“, antwortete Laia. „Das ist … Diese andere Hzim ist da, und die Gräfin will dir helfen und einen Kompromiss finden, und dafür will sie mit dir sprechen. Sie glaubt, dass sie was aushandeln kann.“
Yanis‘ Hals schnürte sich zu, während gleichzeitig ihr Atem schneller zu gehen versuchte.
„Du meinst …“
Und dann wusste sie nicht mehr weiter.
Hoffnung ließ ihr Herz rasen und trieb nervösen Schweiß auf ihre Stirn, aber jetzt, da sie sie in eine Frage zu fassen versuchte, wurde ihr klar, dass sie gar nicht wusste, was sie eigentlich hoffte.
Ihr erster Gedanke war gewesen, wieder nach Yeshaga zurückzukehren. Eine volle Amnestie. Eine zweite Chance.
Aber wollte sie das überhaupt noch?
Wollte sie zurück zu Icara, die sie vergiftet hatte, und sie jetzt jagte? Wollte sie zurück zu einer Kommandantin, die ihr wahrscheinlich noch nicht ganz verziehen hatte, dass sie sie vom Wachturm gestoßen hatte?
Sie vermisste das Gefühl, einen Zweck zu haben, zu etwas Größerem zu gehören, Shiu zu dienen und sich nie fragen zu müssen, wofür das alles.
Aber sie vermisste Yeshaga nicht mehr.
Außerdem war die Frage aber auch müßig. Yeshaga würde sie nicht zurücknehmen. Die Gräfin konnte Heshija ihr ganzes Schloss schenken, die Hzim würden keine Deserteurin in ihren Reihen dulden.
Und das war Yanis jetzt in den Augen des Ordens.
Was dann?
Freiheit?
Wovon? Wofür? Womit?
Yanis hatte versucht, nicht zu sehr darüber nachzudenken, aber wenn diese Mission zu Ende war – und das wäre sie dann ja – war sie zu Ende.
Was dann?
Dann stand sie wieder alleine. Ohne Zweck, ohne Mission, ohne Kamerad*innen. Nicht mal mehr die Flucht würde sie haben, die zwar die wahrscheinlich armseligste denkbare Mission war, aber immerhin etwas, wofür sie kämpfen konnte.
Worauf konnte sie also hoffen?
Worüber konnte sie sich freuen?
„Was meinst du?“, fragte sie also schließlich.
„Naja, dass sie dich … begnadigen, schätze ich? Hat sie so genau nicht gesagt. Dass sie halt aufhören, dich zu jagen, und du nicht länger weglaufen musst.“
Yanis kniff zusammen, was von ihren Lippen übrig war, und nickte langsam.
Eigentlich war das doch gut.
Aber …
Was dann?
Ihr graute so sehr vor dem ‚Was dann?‘.
„Oh“, antwortete sie.
Laias zaghaftes Lächeln wich einem verwirrten Stirnrunzeln.
„Nicht gut?“, fragte die Agentin.
„Naja, doch, natürlich. Ich weiß nur nicht … Ich schätze, es hat mich daran erinnert, dass ich keine Pläne habe. Und auch sonst nichts, eigentlich. Weil Yeshaga alles war, was ich hatte. Aber ja. Ist gut. Ich freue mich bestimmt bald. Ich muss es nur erst einmal verarbeiten und … all die Möglichkeiten irgendwie … verstehen.“
Möglichkeiten, wie zum Beispiel:
Wie ehrenhaft und held*innenmutig konnte man verhungern?
Hatte sie wenig genug Selbstachtung, um sich als Söldnerin zu verdingen, oder vielleicht als was auch immer diese Figur war, die Laia her begleitet hatte?
Wenn sie in Ikrezias Hütte einbrach, wie viele weitere von den Pastillen würde sie dort stehlen können, und welchen Grund gab es noch, nicht einfach alle auf einmal zu nehmen?
Konnte sie sich selbst töten und es so sehr wie einen Unfall aussehen lassen, dass Shiu sie dafür nicht verurteilen würde?
So viele Möglichkeiten.
Laias Lächeln flackerte wieder ein bisschen auf, und Yanis schämte sich so sehr dafür, wie hündisch dankbar sie für dieses kleine Zeichen von Zuneigung und Freundschaft jetzt war, und wie hoch sofort die Hoffnung in ihr schlug, dass sie vielleicht …
Nein.
Nein, Yanis.
Denk nicht dran.
Denk nicht drüber nach.
Weil du so ein dämliches Kalb bist, dass du es sonst wirklich hoffst und glaubst, und wenn du erst mal so weit bist, kommt es dir plötzlich gar nicht mehr so abwegig und verächtlich vor, zu fragen, und wenn du erst einmal so weit bist, zu fragen, was hält dich dann eigentlich noch davon ab, vor ihr auf die Knie zu fallen und zu schluchzen und zu weinen und sie anzuflehen, dich nicht alleine zu lassen, weil du sie doch so sehr brauchst und so sehr liebst, diese Person, die du seit ein paar Tagen … nicht mal richtig kennst, und für die du nichts bist als ein Paar hoffentlich starker Arme und ein Rücken, der hoffentlich ordentlich Prügel aushält, und die für dich nichts ist als ein hübsches Gesicht und halt eine der wenigen freundlichen Leute, die dir begegnet ist, seit alles zusammengebrochen ist, oder eigentlich … überhaupt?
Also denk lieber nicht drüber nach. Mach dir keine Hoffnung. Sei die starken Arme, sei der zähe Rücken, mach dich gerade und marschier, wohin sie zeigt.
Das kannst du doch.
Weich werden kannst du immer noch, wenn niemand mehr da ist, der dafür den Respekt vor dir verlieren könnte.
„Ach ich bin sicher, wir finden da was“, sagte Laia.
Yanis bot all ihre Kräfte auf und ihre nicht unbeträchtliche Disziplin und alle ihre Fähigkeiten zur Selbstgeißelung, um so etwas wie ein Lächeln auf ihre zitternden, zuckenden Mundwinkel zu zwingen, bis ihr einfiel, dass Laia es eh unter der Kettenhaube nicht sehen konnte.
Dann schniefte sie einfach nur noch einmal – eine völlig sinnlose Geste, seit sie keine Nase mehr hatte, zu der sie sich aber umso öfter reflexhaft gezwungen fühlte –, nickte und streckte den hoffentlich starken Rücken.
„Ja“, antwortete sie. „Natürlich. Komm, lass uns gehen. Auf in die Freiheit, hm?“
„Das ist die richtige Einstellung!“, sagte Laia.

Lesegruppenfragen

  1. Ja, ich weiß, es wird nicht so richtig klar, wo dieser Ort ist, an dem Yanis und Laia sich befinden, und in welcher Beziehung er zum Rest von Kelthofen steht. Vielleicht behebe ich das noch.
  2. Ja, ich weiß, das war gar keine Frage.
  3. Ja, ich weiß, ich hab jetzt schon zwei Punkte mit Aussagen gefüllt, aber ich darf das, denn das hier ist mein Blog, und heute ist Nikolaustag, und ich hatte Schummeln bei den Lesegruppenfragen im Stiefel.
  4. Ja, ich weiß, jetzt sinds schon drei. Habt ihr sonst noch was, was ihr mir mitteilen wollt? Ich freu mich. Ernsthaft jetzt.

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