Yanis (15)


Weiter gehts! Heute: Ein nicht so gutes Gespräch.
Viel Vergnügen!


Was bisher geschah
Im ersten Kapitel haben wir die Shiu’Hzim Yanis kennengelernt und mit ihr ein ärgerliches Missgeschick erlebt, das sie in die Hände einer Heilerin fallen ließ.
Im zweiten Kapitel wird Laia bei einem Diebstahl ertappt und flieht vor den Wachen zu ihrem*r Freund*in Aki.
Im dritten Kapitel setzt Yanis ihre Mission fort, kehrt in ihre Heimatburg zurück und wird nicht sehr freundlich empfangen.
Im 4. Kapitel durften wir Akis Sphärenverleihungszeremonie beiwohnen, und sier erlebte eine kleine Enttäuschung.
Im 5. Kapitel hat Icara Yanis einen sehr bösen Streich gespielt. Und Yanis hat daraufhin … naja, vielleicht nicht mal unbedingt überreagiert, aber auch nicht besonders geschickt jedenfalls.
Im 6. Kapitel will Laia unbedingt Akis Verleihungszeremonie miterleben und versucht deshalb, in den Großen Saal zu klettern.
Im 7. Kapitel flieht Yanis aus der Burg und begegnet zum Schluss noch mal einer alten Bekannten.
Im 8. Kapitel plaudern Aki, Laia und Akis Väter, während sich bei Aki zu Hause Unheil anbahnt.
Im 9. Kapitel finden zwei Kinder beim Spielen an einem Bach eine am Ufer schlafende Yanis.
Im 10. Kapitel lernen wir Narubolan von Orenin kennen (Er hat sich den Namen nicht ausgesucht), Laia fährt mit seiner Familie Kutsche, und Yanis erreicht eine Farm und bittet um Unterkunft.
Im 11. Kapitel erklärt Aki Laia die Lage, Narubolan isst zu Abend, und Yanis erwacht in einer Scheune.
Im 12. Kapitel kehrt Yanis zu Ikrezia zurück und kann sich mit deren Hilfe vor ihren Häscherinnen verstecken, zahlkt aber dafür einen hohen Preis. Laia versucht vergeblich, ein Geschenk von Aki zu verkaufen und trifft dabei … eine Person wieder, die ihr schon mal begegnet ist. Yanis. Die Person ist Yanis.
Im 13. Kapitel sehen wir im Rückblick, wie Janis über Nacht ausgeraubt wird und dann einen Weg in die Stadt findet.
Im 14. Kapitel erklärt Aki sieren Plan sieren Vätern (Er kommt nicht so gut an.), und Yanis findet, gleichsam als Rückblende, Laia wieder.

Was heute geschieht

Laia hatte sich, bevor Aki sie das erste Mal mitgenommen hatte, Kutschen immer sehr schnell, komfortabel und rundum luxuriös vorgestellt.
Aber immer wenn sie tatsächlich mit einer fuhr, wurde sie überrascht davon, wie unfassbar unbequem und komplett unpraktisch die Dinger waren. Es holperte und ruckelte so, dass ihr schon nach kurzer Zeit Körperstellen wehtaten, die die Kutsche nicht einmal berührten. Wenn sie alleine saß, rutschte sie die ganze Zeit hin und her, was nervte, sogar wenn sie sich irgendwo festhielt, und wenn sie nicht alleine saß, war es noch schlimmer, denn dann rutschte sie gegen die anderen.
Immerhin hatten Laia und die Ordenskriegerin die Kutsche für sich und konnten deshalb einander gegenüber sitzen.
Die Kehrseite daran war, dass Laia nun nicht umhinkonnte, sich … irgendwie zum Gesicht der Kriegerin zu verhalten.
Am Anfang hatte sie versucht, nicht hinzusehen, und sich dabei ertappt, doch immer wieder neugierig und möglichst unauffällig hinsehen zu wollen, um dann sehr schnell wieder nicht hinsehen zu wollen, weil es … wirklich schlimm war.
Die Haut, stellenweise rötlichbraun verfärbt, stellenweise totenblass, war überzogen von einem dichten Netzwerk aus Narben und Blasen. An ein paar Stellen sah Laia auch nässende Wunden, oder zumindest kam es ihr so vor. Sie wagte nicht, lange und genau genug hinzusehen, weil ihr bei dem Anblick grauste und sie den Schmerz fühlte, den das verursacht haben musste, und bestimmt immer noch verursachte, aber auch weil es ihr unglaublich zudringlich und unpassend vorkam, so zu gaffen, und sie die große, wahrscheinlich ernsthaft gereizte und ein bisschen verzweifelte Kriegerin , mit der sie in diesem schauderhaften Gefährt eingesperrt war, wirklich nicht reizen wollte.
Die Augen waren bemerkenswert in Ordnung, anscheinend, zumindest die Augen an sich. Ein bisschen blutunterlaufen, aber Laia war erstaunt, dass sie überhaupt noch da waren, bei dem Schaden, den das restliche Gesicht erlitten hatte.
Der Mund … war komisch. Die Unterlippe war ähnlich marmoriert wie der Rest des Gesichts, angeschwollen und mit Blasen übersäht und ein Stück vorgewölbt, und verlieh der Kriegerin damit fast einen schmollenden Gesichtsausdruck, als wäre sie fortwährend unzufrieden und vage beleidigt, was Laia nicht einmal unangemessen vorkam in Anbetracht ihrer Situation. Die obere Lippe war kaum als solche zu erkennen. Sie wies drei klar sichtbare senkrechte nicht zusammengewachsene Schnitte auf, von denen der linke bis fast zur Nase reichte, der mittlere eher kurz war, und der rechte irgendwo dazwischen. Die Haut war fast vollständig bleich und nicht geschwollen.
Von der Nase war nur noch ein schmieriger Krater übrig, mit kleinen Rückständen von Knorpel, und gelegentlich warf der Schleim beim Atmen kleine Bläschen auf, die dann wieder zerplatzten …
Laia wandte den Blick wieder ab. Sie hatte zu lange hingesehen.
Und dann fürchtete sie, dass sie zu hastig, zu offensichtlich, zu erkennbar angewidert weggesehen hatte und sah wieder hin.
Die Kriegerin atmete aus – seufzte? – und verzog ihre sehr ungleich beschädigten Lippen zu etwas, was alles von einem Zähnefletschen über eine genervte Grimasse bis zu einem Grinsen hätte sein können.
„Kein schöner Anblick, was?“ knurrte sie.
„Tut mir leid“, murmelte Laia verlegen. „Ich wollte dich nicht … Ich meine, ich … Du sollst nicht … Ich …“ Sie verdrehte die Augen und schnitt eine Grimasse. „Tut mir leid. Ich weiß nicht mal, was ich sagen soll.“
„Du musst nichts sagen. Ich weiß selbst, wie ich aussehe.“
Laia versuchte, ihre Gesichtszüge unter Kontrolle zu behalten. Die Stimme der Kriegerin klang, müsste das Sprechen ihr furchtbar weh tun, und Laia fühlte sich ganz kribbelig vor Mitgefühls-Phantomschmerzen, oder was auch immer ein treffender Begriff für diese Empfindung sein mochte, die der Gedanke an ihre Verletzungen bei Laia auslöste.
„Es ist gar nicht so schlimm“, sagte sie aus der Verlegenheit heraus, und biss sich gleich danach auf die Zunge.
Die Kriegerin machte wieder dieses stöhnend-keuchende Geräusch. Ihr Gesicht war schwer zu deuten, aber Laia war sich ziemlich sicher, dass sie sie missbilligend und verächtlich musterte.
Kein Wunder, nach diesem grauenvoll unpassenden und sinnlosen Spruch.

***********************

Yanis schwitzte, so nervös war sie. Ihre Achselhöhlen juckten. Ihre Nase juckte. Ihr ganzes Gesicht juckte. Sie wollte sich am liebsten einen Sack über ihr Gesicht ziehen, damit diese sympathische und, ja verdammt, sehr attraktive Botin nicht permanent ihr verbranntes Fleisch vor Augen hatte, aber es ging nicht. Sie musste einfach hoffen, dass die Botin nicht zu oberflächlich war, und dass es ihr gelang, ihrerseits sympathisch zu wirken und mit Charakter zu überzeugen.
Bisher sah es nicht gut aus. Sie hatte versucht, freundlich-humorvoll zu reagieren, aber darin war sie schon früher nie gut gewesen, als ihre Mimik noch funktioniert hatte und sie ihre Stimme besser einschätzen konnte …
„Wie ist das, als Botin zu arbeiten?“, fragte sie schließlich, nicht mal weil sie die Frage gerade wirklich beschäftigte, sondern weil sie verzweifelt gerne das peinliche Schweigen brechen wollte, das entstanden war nach Laias Antwort, die sicher sehr nett gemeint gewesen war, auf die Yanis aber beim besten Willen nichts einfiel, was sie sagen konnte.
‚Doch!‘? ‚Hast Recht.‘? ‚Danke!‘? Nichts davon brachte sie über was noch von ihren Lippen übrig war.

******************

‚Oh wunderbar‘, dachte Laia. Gleich das nächste Gesprächsdesaster.
Was jetzt?
Sie konnte wahlweise irgendwelche weiteren Lügen spinnen und damit zwar jetzt die Situation einigermaßen retten, eine noch sehr viel peinlichere in der Zukunft riskieren, oder …
Sie seufzte. Es musste sein. Das war jetzt genau die Art Lüge, aus der sie möglichst früh aussteigen musste, um nicht unter ihr begraben zu werden, wenn sie zusammenbrach. Sie konnte es einfach fühlen.
Nur blieb damit die Frage offen, durch was für eine Lüge sie sie ersetzen wollte. Leider blieb nicht viel Zeit, sich das gründlich zu überlegen. Laia beschimpfte sich innerlich selbst ein bisschen für ihre Unprofessionalität, nicht früher drüber nachgedacht zu haben. Es war alles so schnell und unerwartet passiert. Aber auf genau solche Ereignisse musste sie vorbereitet sein und reagieren können. Immer. So überlebten Leute wie sie. Ihr Vorstellung hier war einfach nur beschämend.
„Ich … muss dir etwas gestehen“, sagte sie.
Die Kriegerin schaute sie auf schwer zu deutende Art an.
„Ich bin eigentlich keine Botin. Ich bin mehr … sowas wie … eine Agentin der Baronie von Orenin.“
Respektabler Versuch, wenn auch ein bisschen gewagt, weil Laia nicht sicher war, ob die Barone sie unterstützen würden. Aki, sicher, aber siere Väter?
Verdammt. So gesehen, war es einfach ein völlig überzogenes Risiko. Sie hätte was anderes sagen sollen, es dabei belassen, dass sie mit Aki befreundet war und wusste, dass sier auf der Suche nach einem*r Kämpfer*in war. Sie dachte nicht klar genug, weil die ganze Situation sie zu nervös machte und sie immer noch die ganze Zeit damit ausgelastet war, abwechselnd auf diese grauenvollen Überreste einer Nase zu starren und zu versuchen, nicht darauf zu starren. Und natürlich sich dafür zu schämen, dass sie davon nicht loskam, weil die Kriegerin das sicher nicht auch noch brauchte, auf diese Verletzungen reduziert zu werden.
Aber wenn man einmal nass war und sowieso den Fluss überqueren musste, hatte es keinen Sinn, vorsichtig den Zeh ins Wasser zu strecken. Hinein.
„Ich … suche die richtigen Leute für sie, helfe ihnen, ihre Probleme zu lösen, unterstütze bei diplomatischen Verhandlungen und der Organisation. Es ist eine … inoffizielle Position, deshalb gehe ich damit nicht hausieren.“
Naja. Das klang doch ungefähr so, wie es vielleicht auch eine Person erklären würde, für die es wirklich zutraf. Oder?
„Du bist sehr jung für die Rolle, oder? Und sehr schäbig gekleidet. Warst du inkognito unterwegs? Spionierst du auch für die Baronie?“
Laia fühlte sich erstens tatsächlich ein bisschen beleidigt – so schlecht sah sie ja wohl gar nicht aus, und sie mochte jung sein, aber sie wäre bestimmt in der Lage, so eine Rolle auszufüllen -, und dachte zweitens auch, dass eine Person, die wirklich so eine Rolle ausfüllte, sich eine solche Befragung nicht einfach gefallen lassen würde.
„Was willst du damit sagen?“, antwortete sie deshalb, so barsch sie es über sich brachte in dem Bewusstsein, dass die Kriegerin sie wahrscheinlich übers Knie brechen konnte wie einen morschen Ast, wenn sie wirklich wollte. „Glaubst du mir nicht?“

************************

Yanis fühlte etwas in sich hinabsinken. Das Bisschen Hoffnung, das sie gehabt hatte, ihr Herz, und irgendwas in ihrem Hals.
Eine Agentin der Baronie.
Damit dürfte sich jede Chance auf irgendeine Art freundschaftlicher Beziehung erledigt haben. Eine Botin würde sich vielleicht leisten können, sich mit einer gefallenen Shiu’Hzim abzugeben, und wäre vielleicht bereit, sich hin und wieder mit einer gesuchten Verräterin zu treffen.
Die Rechte Hand einer Adelsfamilie sicherlich nicht.
Und in ihrer Enttäuschung hatte sie sich jetzt auch noch zu Fragen hinreißen lassen, die Laia offenbar das Gefühl gegeben hatten, sie hielte sie für eine Lügnerin. Wunderbar. Es wurde einfach immer besser.
„Doch“, antwortete sie schweren Herzens, und gab dabei der Versuchung nach, sich unter der grauenvoll juckenden linken Achsel zu kratzen. War ja jetzt sowieso egal.
Und dann wurde ihr klar, was das bedeutete: Wenn die Leute, zu denen Laia sie brachte, Baron*innen waren, und Laia ihre Handlangerin – dann würden sie doch Yanis garantiert an den Orden ausliefern, oder?
‚Oh Himmel, Yanis, du bist so ein dämliches Kalb, es ist wirklich nicht zu fassen. Hat Icara auch immer gesagt. Wie willst du ohne sie dem Orden entkommen und überleben, obwohl du nichts kannst, nichts weißt, und wahrscheinlich jetzt gerade der auffälligste, weil hässlichste Mensch in dieser ganzen Region bist?‘

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Sollte Laia gehofft haben, die viel größere und stärkere Kriegerin mit schierer Dreistigkeit einschüchtern zu können, hatte sie sich offenbar geirrt.
Sie schaute Laia jetzt nicht einmal mehr an, kratzte sich ganz unverhohlen, als wäre sie allein, und schaute aus dem Fenster.
Laia wollte sie fragen, ob sie etwas Falsches gesagt hatte, weil sie nicht so richtig verstand, warum dieses Gespräch so schief gelaufen war, aber sie konnte es nicht mit ihrer Rolle vereinbaren, so sehr sie es auch versuchte. Obwohl, vielleicht, wenn sie es ein bisschen anders …
„Willst du für uns arbeiten, oder nicht?“, fragte sie. „Wir bieten dir eine Aufgabe, die perfekt zu dir passen würde, und gut bezahlt würde. Du solltest dich freuen!“

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War das jetzt eine Drohung? Wollte die Agentin damit sagen, dass sie Yanis aus der Kutsche zurück auf die Straße werfen würde, wenn sie nicht gehorchte und sich benahm?
Yanis tat ihr Bestes, ihren Stolz abzulegen, aber sie hatte sich immer noch nicht daran gewöhnt, keine respektierte, bewunderte und gefürchtete Shiu’Hzim mehr zu sein, sondern eine eklige, verachtenswerte Bettlerin, die bestenfalls nützlich war wie eine Schuhbürste oder ein Holzscheit im Kamin.
Sie wusste, dass ihre Position sich verändert hatte, und sie nun anders gesehen wurde. Aber hatte sie nicht immer noch Ehre? War sie nicht immer noch dieselbe, eigentlich? Immer noch ein Mensch?
Und wurden Menschen nicht oft so behandelt, wie sie sich verhielten?
Sie konnte sich auch nicht alles gefallen lassen, sonst würde sie für den Rest ihres Lebens ausgenutzt und unterjocht werden von Leuten wie dieser Agentin und ihren Herr*innen.
Yanis verstand nicht, warum die sich plötzlich so aufführte. Sie war ihr am Anfang so sympathisch und freundlich vorgekommen. Yanis hatte sich so gefreut, endlich eine Person gefunden zu haben, die sie nicht wie Dreck behandelte, ihr sogar Hilfe anbot, und vielleicht nicht zuallerletzt dieses … Irgendwas an sich hatte, das Yanis dazu brachte, sie näher kennenlernen und ihr … näher sein zu wollen.
Yanis war nie gut darin gewesen, Menschen einzuschätzen. Ihre jahrelange Liaison mit Icara sollte als Beleg dafür genügen.
Am liebsten wäre sie einfach aufgestanden und aus der Kutsche gesprungen, um ihren eigenen Weg zu finden.
Aber sie war doch nicht dämliches Kalb genug, um zu glauben, dass sie so bald eine zweite Chance bekommen würde, und … Verdammt, es war so albern, so beschämend, aber sie musste Laia nur ansehen, und schon war da dieser Drang, nett zu ihr zu sein, alles zu versuchen, damit sie sie anlächelte, statt sie anzusehen, wie einen stinkenden und möglicherweise tollwütigen Hund.
Sie würde bleiben. Aber sie würde sich nicht auf den Rücken legen und ihre Kehle darbieten, so weit unten war sie doch noch nicht.
Und wenn sie jetzt tatsächlich einfach weglief, würde sie das sicher nicht weniger verdächtig machen. Sie war jetzt nun einmal hier, und jetzt musste sie hoffen, dass sie zumindest wirklich als mehr oder weniger freie Schergin der Baronie nützlicher war denn als Gefangene von Yeshaga.
„Ich rede mit Euren Auftraggeber*innen, und dann entscheide ich, ob ich mich freue.“
Noch wusste sie ja nicht mal, was diese mysteriöse und so wunderbar zu ihr passende Arbeit sein sollte.

******************************

Oaah, was war denn jetzt plötzlich in diese Kriegerin gefahren?
Am Anfang war sie Laia jetzt sogar fast sympathisch gewesen, ungeachtet dieses merkwürdigen Verhörs vor dem Gasthaus damals, als sie noch ihr Gesicht und ihre Rüstung gehabt hatte, und Laia hatte sich wirklich gefreut, genau die Person gefunden zu haben, die Aki jetzt brauchte.
Aber jetzt war sie nicht mal mehr gut genug für ein Gespräch?
Jetzt wollte die mächtige, edle Shiu’Hzim nichts mit der kleinen Handlangerin zu tun haben und lieber direkt mit den Baronen sprechen?
Ja gut. Sie würde ja sehen, was sie davon hatte.
Laia musste zugeben, dass es auch für sie peinlich werden könnte, weil die Barone und sogar Aki noch nicht so richtig von ihrem Glück wussten, sie als Agentin gewonnen zu haben. Aber sicher konnte sie Aki vorwarnen, und dann würden sie die Gelegenheit schon nutzen.
Auch wenn die Kriegerin jetzt offenbar doch wieder entschieden hatte, ein arrogantes Miststück zu sein, konnte sie immer noch ihren Wert haben in Akis Plan.
Ja, es war ein riskanter Plan, um Begriffe wie ‚absurd‘ oder ‚übermütig‘ zu vermeiden. aber es war Akis Plan, und wenn sie sier eine Freude machen konnte …
Laia zuckte die Schultern.
„Was scherts mich, ob du dich freust, und ob du mit mir redest, solange du deinen Zweck erfüllst?“, murrte sie, verschränkte die Arme, und schaute auch aus dem Fenster.

***********************

„Dann sind wir uns ja einig“, antwortete Yanis.
Sie musste zugeben, dass das nicht die schlagfertigste Antwort war, aber sie war nie besonders schlagfertig gewesen.
Und jetzt saß sie da in dieser unerträglich angespannten Stimmung in diesem winzigen Raum eingesperrt mit dieser Person, die sie doch eigentlich so wunderbar gefunden hatte – sie erinnerte sich, so gut sie konnte, daran, dass sie für diese Einschätzung eigentlich wenig gute Gründe nennen konnte – und mit der sie jetzt aus irgendeinem Grund anscheinend in gegenseitiger Verachtung verbunden war, und verstand nicht so richtig, was passiert war, und warum, und ob sie die Situation vielleicht irgendwie noch retten konnte, und falls ja, wie.
Aber die edle, mächtige Agentin der Baronie hatte ihr jetzt anscheinend ohnehin nichts mehr zu sagen, das hatte sie nicht nur durch ihre Worte mehr als deutlich gemacht.
Und so saß Yanis den Rest der Fahrt ihr gegenüber und tat so, als würde sie aus dem Fenster sehen, während sie in Wahrheit so oft und heimlich und unauffällig wie möglich zu Laia hinüberzuschauen versuchte und alle fünf Herzschläge die Mund öffnete, um irgendetwas Beschwichtigtendes, Freundliches, Wütendes, Beleidigendes, Beruhigendes, Fragendes zu sagen, und ihn dann direkt wieder schloss, denn es gab einen Punkt, bei dem Goma und Icara sich immer einig gewesen waren, und gerade weil es der einzige war, fand Yanis ihn besonders offensichtlich wichtig: Da kluge Worte nicht unbedingt zu Yanis‘ Stärken gehörten, und dumme Worte selten für etwas gut waren, sollte sie im Zweifel den Mund halten.
Wenigstens das konnte sie ja einigermaßen.

 

Lesegruppenfragen

  1. Klar, erstmal: Wie hat dieses entgleiste Gespräch für euch funktioniert? Kams euch halbwegs plausibel vor?
  2. Waren die Perspektivwechsel so okay?
  3. Wart ihr auf der Seite einer der beiden Gesprächspartnerinnen?
  4. Yanis kommt ja schon meistens eher als Pechvogel rüber. Kauft ihr mir ab, dass sie auf Laia trotzdem (?) bedrohlich wirkt?

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